»Ich kenne den Mann nicht; hat er gesagt, was er wünscht?«
»Nein, Signora; aber er erklärt, er sei Euer Bruder!«
Lucia stand wie ein vom Bogen geschnellter Pfeil neben dem Knaben und faßte ihn hart an beiden Schultern an:
»Und Du glaubst doch solche Thorheit nicht? – Das muß ein Verrückter, ein Wahnsinniger sein! Warum hat man den Menschen ins Haus gelassen, war denn niemand zur Stelle, der ihn hinauswarf?«
Die Stimme des Weibes war kreischend und drang bis in das Vorgemach an das Ohr des Bauern. Diesem behagte das Warten überhaupt nicht, und die Worte, die er vernahm, regten ihn auf, so daß er jetzt ohne weiteres die Thür öffnete und eintrat.
Aus den Wangen Lucias war alles Blut gewichen; sie taumelte und mußte sich an der nächsten Sessellehne festhalten; der Mensch aber lachte roh:
»Das Wiedersehen greift Dich wohl zu sehr an? Nun, nun, ich wollte Dich nicht erschrecken, will auch gar nicht lange bleiben.«
Sisto huschte bei diesen Worten hinaus; er fühlte, daß er überflüssig sei, und nun erst, nachdem die Signora sah, daß der Junge verschwunden sei und nachdem sie sich durch den Augenschein überzeugt hatte, daß er auch nicht im Vorzimmer horche, wandte sie sich, noch immer nach Fassung ringend, zu dem Manne:
»Unseliger, was führt Dich her? – Habe ich Dir nicht jedes Vierteljahr geschickt, was ich Dir versprochen?«