»Aha, Verwandte! Auf die Art wäre ich wohl auch mit dem hochwürdigsten Herrn Bischof verwandt; das ist mir neu, aber sehr schmeichelhaft!«

Der Knabe wurde verblüfft durch diese Aeußerung:

»Wieso denn?« stotterte er beinahe verlegen.

»Na, weil ich der Bruder von Eurer Signora bin.«

Sisto traute seinen Ohren kaum; er hielt sich an der Ballustrade fest, und sah mit offenem Munde den vierschrötigen Menschen an.

»Ah, nun kriegst Du Achtung vor mir, kleine Kröte – jetzt mach' aber auch, daß ich die Dame zu sehen bekomme, ich vergehe sonst vor Sehnsucht!«

Er lachte roh auf und stieg dann weiter, und Sisto ging langsam hinterdrein.

Im Vorzimmer der Signora hieß er den Bauern warten; er selbst pochte an die Thüre und trat erst nach erhaltener Erlaubnis ein. Lucia hatte, wie immer außerordentlich elegant gekleidet, auf einem Ruhebette gelegen und in einem Bande mit Bildern geblättert; sie sah nun gelangweilt und augenscheinlich verdrießlich nach dem Knaben.

»Verzeiht, Signora,« – sagte dieser – »es ist ein Mann da, ein Bauer aus der Chiana di Sorrento, welcher Euch zu sprechen wünscht; er heißt Gaetano Vergani.«

Das schöne Weib fuhr aus seiner bequemen Lage auf und starrte erblassend nach Sisto; aber sie wußte sich zu beherrschen und sprach mit kaum merklicher Erregung der Stimme: