Pater Severin öffnete den Umschlag und fand in der That nur die wenigen Zeilen:
»Das Neueste von mir erfahren Sie durch Vetter Martin. Wie geht es Therese? Schreiben Sie mir von ihr und wachen Sie über sie! Mit herzlichem Gruße der Ihrige.« – Dann folgte eine Adresse.
Der Kapuziner reichte seinem Begleiter schweigend das Blättchen; dieser las und sagte:
»Der arme Junge! Das kann er nicht verwinden, aber da können wir alle beide nicht helfen. Was wollen Sie ihm schreiben?«
Severin zuckte die Achseln und erwiderte wehmütig:
»Ich weiß nur, was das Volk spricht, und das möchte ich ihm nicht mitteilen; es ist nicht verbürgt, und wenn es wäre, so könnte er nicht helfen, so wenig wie ich. ›Wachen Sie über sie!‹ Ich weiß nicht, wie er sich das denkt. Ich habe ja nicht einmal ein Recht zu einem Worte des Trostes für sie, so lange sie es nicht begehrt.«
»'s ist richtig, und für ihn ist's besser, wenn er nichts Schlechtes hört. Er braucht seinen Mut und seine gesunde Frische jetzt doppelt, und wenn er denken kann, es geht ihr gut oder mindestens erträglich, so vergißt er sie zuletzt am leichtesten, und das muß doch einmal sein.«
Ein leiser Seufzer hob die Brust des Mönches … er wußte, daß man Therese nicht so leicht vergaß!
Das Gespräch aber wendete sich mehr dem großen Ereignis der Zeit, dem Kriege, zu, und die beiden wanderten langsam unter den Bäumen auf und nieder, bis die Glocke läutete.
»Ich muß zur Messe – verzeihen Sie!« sagte nun Severin, und der Alte entfernte sich mit einem Worte der Entschuldigung, während der Kapuziner langsam nach dem Kirchlein ging. Da kam ihm ein Laienbruder entgegen mit der Mitteilung, daß eine Dame ihm zu beichten wünsche. Das war nichts Außergewöhnliches und er begab sich ruhig nach dem Beichtstuhl, in welchem er erwartet wurde: Dort kniete eine junge Frau im dunklen Gewande, und als er näher kam, fühlte er, wie sein Herz heftiger anfing zu schlagen und wie ein Zittern ihn erfaßte; er hatte Therese Haller erkannt.