Langsamer war indes das zweite Paar hinterher gekommen. Ueber Stahl, sowie über Therese lag anfangs eine gewisse Befangenheit, und die junge Frau suchte darüber hinwegzukommen, indem sie ihren Begleiter nach seinen künstlerischen Erfolgen, seinen Arbeiten und Bestrebungen fragte. Er erzählte ihr davon, begeistert, mit leuchtenden Blicken, dann blieb er mit einem Male stehen, so daß auch sie den Schritt anhalten mußte. Ringsum war schweigender Wald, durch welchen die Sonnenstrahlen zuckten, die beiden Männer vor ihnen waren verschwunden hinter den Föhrenstämmen, ein Vogel huschte scheu durch das Gezweige … da sagte er mit einmal mit bebender Stimme:

»Denken Sie noch an den Beth Chajim, und was mein junges, thörichtes Herz unter den blühenden Fliedersträuchen damals bewegte?«

Es schien, als wolle sie abwehren, aber die Geberde mißlang, und die Röte, welche ihr in die Wangen trat, strafte sie Lügen. Kühn gemacht dadurch, fuhr er fort:

»Ich bin seitdem ein anderer geworden. Ich bin durch eine ernste Schule gegangen, ich habe geblutet für eine heilige Sache, und ich fühle es, daß ich eine Zukunft habe … wenn mir der Sonnenschein, an den ich geglaubt und gehofft habe, seit ich Sie kenne, nicht untergeht. Damals in Prag mußte ich schweigen – heute darf ich reden. Therese, ich brauche es Ihnen nicht zu sagen, daß ich Sie heute noch ebenso lieb habe, ja noch mehr, denn Sie haben gelitten, und daß mein ganzes Wesen und Denken nur aufgeht in Ihnen. Sie sind frei, wie ich es bin, und wenn sie glücklich machen wollen, so sollen Sie auch glücklich sein, das gelobe ich Ihnen bei allem, was uns heilig ist!«

Therese war in heftiger Erregung, ihre Brust atmete lebhaft, sie rang nach Worten, und ohne sie finden zu können, ging sie einige Schritte vorwärts. Stahl aber war stehen geblieben; er sah ihr beinahe enttäuscht, traurig, nach und nur ihr Name entrang sich seinen Lippen, aber mit einem so unendlich traurigen und doch so liebeerfüllten Klange, daß sie stehen blieb und ihn ansah.

»Dringen Sie heute … noch jetzt nicht in mich … Hans – es kommt mir zu überraschend … ich weiß ja nicht, ob ich noch auf ein Glück rechnen darf …«

Er hatte nur das eine Wort gehört, das ihm Alles verriet, und aufjauchzend rief er noch einmal ihren Namen, und streckte ihr die ausgebreiteten Arme entgegen.

Sie trat wieder näher an ihn heran, und reichte ihm die beiden Hände:

»Noch nicht, Hans … lassen Sie mir noch Zeit …«

Da ergriff er die Hände und küßte sie abwechselnd, bald die Rechte, bald die Linke, trotz des Handschuhes, so daß ein leises Lächeln um ihre Lippen spielte.