Durch einen altertümlichen Thorbogen führte der Weg hinein in die Gasse, und gleich zu ihrem Anfang stand zur Rechten ein kleines Haus, einstöckig, mit vier spiegelblanken Fenstern in der Front, dessen Thür umwunden war mit grünem Kranzwerke.

»Das ist des Sportelschreibers Haus!« sagte der Bauer, und der Geselle hätte sich's wohl denken können, denn Kinder und neugierige Frauen standen in der Nähe, den Ausdruck frommer, scheuer Spannung in den Gesichtern. Er sah einen plätschernden Brunnen unter einer Statue des heil. Johann von Nepomuk, dabei war eine Linde und eine Bank ringsum dieselbe; da sprach er:

»Hier bleibe ich und will warten, bis der Zug nach der Kirche geht. Gott befohlen!«

Und im Lindenschatten ließ er sich nieder neben einem Kindermädchen, das einen kleinen Knaben auf dem Arme schaukelte, stützte das Kinn auf den Griff seines Wanderstockes und wartete.

Im Erdgeschoß des kleinen Hauses aber war alles so blitzblank. Der Flur war gescheuert und mit weißem Sande bestreut, und in der großen Stube war kein Stäubchen zu sehen. Vor den Fenstern hingen weiße Vorhänge, und auf den Brettern standen blühende Blumen, die altertümlichen Möbel waren aufpoliert und an der Wand, der Thüre gegenüber, war ein einfacher Altar errichtet worden. Auf der blütenweißen Tischdecke befand sich ein Kruzifix, daneben zwei Leuchter mit brennenden Lichtern und in zwei kleinen Vasen duftende weiße und rote Rosen.

Vor dem Altar aber stand der junge Priester, Peter Frohwalt, eine jugendlich schöne Erscheinung, hochgewachsen und schlank, mit einem frischen, von froher Erregung geröteten Antlitz, aus welchem zwei große, schöne, blaue Augen schauten. Das blonde Haar war kurzgeschoren und weiß schimmerte daraus die Tonsur hervor. Er trug das dunkle, wallende Priestergewand, und um den Hals den ringsum geschlossenen Kragen mit dem weißen Bändchen darum, das Collare. Zur Seite des Altars standen seine Mutter und seine Schwester. Erstere war eine Frau mit festen aber gutmütigen Zügen, in denen heute eine mühsam verhaltene Rührung lag, angethan mit einem dunkeln, verschossenen Seidenkleide, das wohl schon manchen Ehrentag des Hauses gesehen hatte; die Schwester war ein hübsches, hochgewachsenes Mädchen, dem Bruder ähnlich, und unter dem schlichten Hütchen, welches sie trug, drängten sich ein paar prächtige blonde Zöpfe hervor. Sie mochte vielleicht ein Jahr jünger sein als der neugeweihte Priester.

Dem Altar und den letzteren gegenüber standen um den alten Pfarrer des Ortes gereiht ältere und jüngere Geistliche, darunter die Mönche des in der Stadt befindlichen Kapuzinerklosters. Der Pfarrer, ein weißhaariger Herr mit milden, freundlichen Zügen trug den goldschimmernden Vespermantel, die andern zumeist weiße Chorhemden und darüber die Stola.

Der Pfarrer hatte seine Ansprache geendet, in welcher er den jungen Priester beglückwünscht und begrüßt hatte. Seine Worte waren ruhig und herzenswarm gewesen, und da er des verstorbenen Vaters des Primizianten gedachte, weinten Mutter und Tochter in Wehmut still für sich hin. Nun nahm der Jüngling vor dem Altare das Wort:

»Laetatus sum in his, quae dicta sunt mihi: In domum Domine ibimus – ja, erfreut bin ich darüber, daß man mir sagt: Wir wollen hingehen in das Haus des Herrn!«

Mit diesem Ausspruch des Psalmisten hob er an, und seine anfangs bewegte Stimme wurde ruhiger und sicherer und gewann einen weichen, wohlthuenden Klang. Vom Elternhaus ins Gotteshaus – welch ein schöner Weg! Von der Stätte, von welcher er Liebe empfangen, zu jener, von welcher aus er sie spenden wollte. – Das war der Grundgedanke, den er kurz und weihevoll ausführte, und dann schloß er: