»Mit reinem Herzen und mit reinen Händen will ich hintreten an den Altar des Herrn. Wer je mich gekränkt hat in meinem Leben, dem sei verziehen vom Grund der Seele, und wem ich wissentlich oder unwissentlich weh gethan, der möge mir verzeihen um dieser Stunde willen, in der Gott mich würdigt, der Wunder größtes zu vollbringen und Brot und Wein in seines ewigen Sohnes Fleisch und Blut zu verwandeln. Und wie ich meines toten Vaters gedenken werde bei meinem ersten heiligen Opfer, so will ich auch für euch beten, Mutter und Schwester. – Der Herr hat heute Großes gethan an uns allen, gepriesen sei sein Name – Amen!«

Hochaufgerichtet trat der junge Mann zu der beinahe fassungslosen alten Frau, die sich in seine umschließenden Arme schmiegte und nach der geweihten Hand des Sohnes faßte, um sie zu küssen, was dieser jedoch abwehrte, dann umarmte er die blühende, errötende Schwester – durch die kleinen Fenster aber flutete wärmer der Sonnenglanz herein und glänzte auf den priesterlichen Gewändern, auf den Rosen um das Kruzifix und auf dem blonden Scheitel des jungen Priesters.

Nun ordnete sich der Zug. Der alte Pfarrer und der Vorsteher des Kapuzinerklosters nahmen den Neugeweihten in die Mitte, die andern schlossen sich paarweise an, und den Priestern folgte Mutter und Schwester, sowie eine Anzahl Freunde der Familie. Im Flur des Hauses aber traten vor den Zug vier kleine, weißgekleidete Mädchen, die aus Körbchen, welche sie am Arme trugen, Blumen und Rosenblätter auf den Weg streuten.

Jetzt hoben die Glocken aufs neue an zu tönen – auch jene von dem Klösterchen klangen darein – und langsam ging es im hellen Sonnenglanz durch die Gassen nach der Kirche.

Das Gotteshaus war umschlossen von dem Friedhofe, und ehe noch das Kirchenportal den Zug aufnahm, hatte der junge Priester dem Pfarrer einige Worte zugeflüstert und dieser den kleinen Mädchen eine Weisung erteilt. Sie bogen seitwärts ab nach dem Eingang zum Gottesacker, und zwischen den Kreuzen und Steinmälern ging der Zug zur Verwunderung der Neugierigen hin, bis er anhielt, wo hart am Wege auf einem schlichten Denkmal geschrieben stand:

Hier ruht in Gott der Sportelschreiber

Franz Frohwalt.

An den grauen Stein gelehnt stand hier ein Mann mit scharfgeprägten, verwitterten Zügen, der mit hellen Augen nach den Nahenden hinschaute und als sie ganz nahe waren, seinen alten Filzhut abnahm, so daß die grauen Haarsträhnen sich leicht im Winde bewegten. Sein Gewand war einfach wie das eines schlichten Handwerkers, und in der Hand hatte er einen kräftigen Naturstock.

»Das freut mich, daß Du zuerst Deinem toten Vater Deinen Gruß bringst und seinen Segen holst, Peter, und das hab' ich auch nicht anders erwartet,« sagte er mit klarer, wohltönender Stimme und reichte dem jungen Priester die Hand, welche dieser ergriff.

»Vetter Martin! Das ist lieb, daß Du da bist!«