Schmidt fühlte doch wohl seine Schwäche und fügte sich. Während ihm aber Walther einen Notverband anlegte, wobei es sich zeigte, daß es sich doch wohl nur um eine Fleischwunde von einem Säbelhieb handelte, wandte sich einer der andern Lützower Reiter zu Bastian:
»Was ist denn dir passiert, Kamerad? – Eine kleine Trepanation des Schädels? – Siehst mir nicht aus, als wenn du viel von dem «ganz besondern Saft» verloren hättest. Zeig' mal her!«
Er riß dem Überraschten die Binde ab, welche um seine Stirne lag, und rief lachend:
»Was, und wegen des kleinen Ritzes kriechst du hinter die Verschanzung? Ist kein altes Weib da, das den hier mit einem Sympathiespruche kuriert? – Pfui Teufel … und das nennt sich einen von Lützow's wilder, verwegener Jagd?«
Spott und Verachtung stand auf allen Gesichtern, und keiner kümmerte sich mehr um Bastian, der mit verbissenem Ingrimm, mit Scham und Zorn zugleich in einem Winkel lag, während Konrad in Begleitung Zanders sich gegen Lauenburg aufmachte, und Walther seinen braven Hund verband.
Die Kämpfe um den Graben nahmen nachmittags wieder ihren Anfang, aber es gelang den Franzosen nicht, die wackeren Lützower zum Weichen zu bringen, und selbst ein noch am Abend von ihnen unternommener heftiger Bajonettangriff hatte keinen Erfolg.
Wieder senkte die Nacht ihren Mantel über das Kampfgefilde, eine dunkle, unfreundliche Regennacht, die mitunter selbst die Biwakfeuer verlöschte. Die Leute waren müde und mancher sank in tiefen Schlaf, aus dem er nur mühsam aufgeweckt werden konnte. Aber es war keine Spur von Mutlosigkeit in den Herzen. Zander lag neben Walther, zwischen beiden der Hund, den ein Streifschuß nicht bedeutend verletzt hatte, der aber doch ab und zu im Schlafe stöhnte, und Zander erzählte, wie er Konrad gleich bei einem Arzte untergebracht habe und wie dessen Wunde durchaus nicht bedenklich sei. Er berichtete aber auch weiter, daß der Major von Lützow und der General von Tettenborn wohl von Boitzenburg her eingeritten seien, daß der erstere ihn an sein Pferd herangewinkt und den Bericht wegen Schmidt sehr teilnahmsvoll entgegengenommen habe.
Während sie noch plauderten, kam an Walther der Befehl, mit 20 Mann aufzubrechen und eine rechts von der Landstraße in ziemlicher Entfernung postierte Abteilung abzulösen.
Unverzüglich brach der Wackere auf, verabschiedete sich mit warmem Händedruck von Zander, dem er auch den Hund zurücklassen wollte, aber dieser hatte sich schon erhoben und schritt hinter seinem Herrn drein in die Nacht.
Und immer noch rann der Regen, und man hörte sein Rieseln durch die fast unheimliche Stille. Da meldeten die Vorposten das Heranrücken des Feindes, und der Kommandant der ganzen Abteilung, Premierlieutenant von Heyde, ging sogleich mit einer Kompagnie des 1. Bataillons vor, um den an dem Graben gelagerten Tirailleuren zu Hilfe zu kommen. Daß er einer beträchtlichen Übermacht gegenüber stand, konnte ihm nicht zweifelhaft sein, doch suchte er die Franzosen wenigstens so lange aufzuhalten, bis der mittlerweile eingetroffene Befehl zum Rückzug über die sogenannte Palmschleuse oder bei Lanz von den andern Abteilungen ausgeführt wäre. So entbrannte hier aufs neue ein nächtlicher Kampf, der mit um so größerer Erbitterung geführt wurde, als infolge der Nässe die meisten Gewehre versagten und nur mit der blanken Waffe und dem Kolben gearbeitet wurde.