»Das ist's wahrhaftig gewesen, Kameraden, und ich weiß nicht, warum ich heute gerade mit so vieler Wärme und gar so lebhaft an meine Lieben denken muß! Sollte das auch eine Ahnung sein? Weißt du noch, Schmidt, wie ich bei Großgörschen mit dem Pferde in ein Grab einsank, und dann kam die dumme Geschichte von Kitzen?«
»Aber Körner,« – riefen die andern – »das sind ja thörichte Anwandlungen, Zufälligkeiten, und daß es Stunden geben kann, da wir im Geiste lebhafter bei den Unsrigen sind, das wissen wir alle.«
»Und das sind gute Stunden!« sagte Zander.
»Ganz gewiß,« erwiderte Körner, »und mir ist's auch, als sei ich vom Hauche der Liebe umweht, und ich fühle mich ja wohl und gewiß nicht bange. Ihr wißt es alle, daß ich mich nicht vor dem Tode fürchte, wenn auch das Leben noch manches Schöne für mich in hoffnungsvoller Ferne zeigt. Ich bin müde und will meinen Traum weiter träumen. Gute Nacht, Kameraden!«
Er hüllte sich in seinen Mantel, schob einen Tornister unter den Kopf und wandte sich mit dem Rücken gegen das verflackernde Feuer. Die andern erwiderten seinen Nachtgruß; eine Weile ging noch ihr Flüstern hin und her, dann legten auch sie sich auf das Moos und den Rasen, und allgemach ward es ringsum stille, und nur die ausgestellten Posten und die ewigen Sterne hielten ihre Wacht.
Am frühen Morgen begann wieder ein geschäftiges Leben. An den Feuern wurde das frugale Frühmahl bereitet, einzelne Reiter machten ihre Morgentoilette, andere putzten an ihren Waffen, andere versorgten die Pferde, und Major von Lützow ging durch das kleine Lager, überall hin freundlich winkend und grüßend.
Theodor Körner aber saß etwas abseits, mit dem Rücken an eine stattliche Föhre gelehnt, und schrieb eifrig mit dem Bleistifte in seinem Notizbuche. Als ihn der Major erblickte, wollte er seitwärts treten, um ihn nicht zu stören, aber schon hatte der junge Dichter ihn gesehen und sprang auf, ihn militärisch zu grüßen.
»Guten Morgen, lieber Körner! Sie haben wohl schon in aller Herrgottsfrühe die Muse bei sich zu Gaste?«
»Bin eben in Gnaden von ihr entlassen worden, Herr Major!«
»Na und was für ein Gastgeschenk hat sie denn Ihnen und uns gespendet? Geheimnis ist's doch keins und ganz gewiß für die «Schwarzen» in erster Reihe bestimmt.«