Mit hochgeschwungenem Säbel war Erich herangesprengt gegen einen feindlichen Offizier, aber wie er die Klinge gegen ihn hob, erkannten sich beide: Es war sein Bruder Karl! Gleichzeitig ließen beide die Waffen sinken, in diesem Augenblicke aber traf ein wuchtiger Säbelhieb die Stirn des westfälischen Offiziers, so daß er zusammenbrach. Erich jedoch sprang, unbekümmert um alles andere, aus dem Sattel und kniete bei dem Bewußtlosen nieder.
Ringsum knatterten die Schüsse weiter, die Eisenbräute jauchzten und klirrten und frohes »Hurra!« erschallte. Hinter einem Gebüsche lag Bastian. Ihm war es unheimlich, und am liebsten wäre er entflohen, denn in die Hände der Lützower durfte er nicht fallen im Rocke des Königs von Westfalen. Der Elende zitterte und bebte, und doch wagte er nicht aus seinem Versteck zu gehen. Da sah er seine früheren Kameraden in das Strauchwerk und Gebüsch hineinsprengen. Er sah allen voran Theodor Körner, die herrliche Jünglingsgestalt, auf seinem Schimmel, und gleich neben ihm Konrad Schmidt. Da faßte ihn eine blinde, unaussprechliche Wut. Er war zunächst sich selbst nicht klar über sein Thun; er riß seine Flinte an die Backe, um den Verhaßten zu töten; der Schuß krachte, aber in demselben Augenblicke hatte Körners Roß einen Seitensprung gemacht, so daß dieser Schmidt verdeckte und die Kugel ihn traf. Bastian sah noch, wie er im Sattel wankte und augenblicklich zurücksank – dann warf er sein Gewehr fort, schleuderte den Rock von sich, welchen er trug, und wie von den Furien gejagt floh er waldeinwärts.
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Die Lützower Trompeter riefen zum Appell, der kurze Kampf war vorbei, aber um Körner mühten sich noch die treuen Genossen. Sie machten ihm die Füße frei aus den Bügeln, sie hoben ihn vom Pferde und betteten ihn auf den Rasen, sie öffneten ihm den Waffenrock, um nach der Wunde zu sehen, und erkannten zu ihrem Schmerze, daß der Tod augenblicklich eingetreten war. Ernsten, festen Männern liefen die Thränen über die Wangen, und der Major von Lützow drückte, stumm in seinem Schmerze, die Hand des lieben Toten. Der kurze Kampf hatte noch mehr Opfer verlangt, auch der junge Graf Hardenberg war gefallen.
Erich hatte den Ruf zum Sammeln wohl gehört, aber er vermochte den todwunden Bruder nicht im Stiche zu lassen, und bat, daß man ihm erlaube, für denselben zu sorgen. Kameraden waren ihm zur Hand, und als nach kurzer Frist einige Wagen beschafft waren, um die Toten wegzuführen, wurde auf einen derselben auch Karl gehoben, dem seine schwere Wunde notdürftig verbunden worden war, und neben ihm auf dem Stroh saß sein Bruder und hielt den wunden Kopf des Bewußtlosen auf seinem Schoße. In dem ersten Wagen aber, weich gebettet, lag die Leiche Theodor Körners, und mit andern ritt auch Konrad ihr zur Seite.
Es war ein unendlich trauriger Zug, der sich da gegen Wöbbelin hin bewegte. Dorthin ging auch der gewonnene Wagentransport und die Gefangenen. Zu deren Begleitung war unter andern auch Zander kommandiert. Er war von dem Tode Körners gleichfalls tief erschüttert und saß, teilnahmlos gegen alles andere, im Sattel. Nur einmal ließ er gleichgültig seinen Blick über die Reihen der Gefangenen gleiten, die meist stumpf und ruhig, teilweise sogar lustig einhertrotteten, was namentlich bei den Westfalen der Fall war. Da zuckte Zander plötzlich auf – – da war ein Gesicht, das er kannte! Das war ja der erbärmliche Bursche, der damals im Hause von Erichs Vater ihn und seinen Freund verraten hatte, den wollte er im Auge behalten: Der Schurke sollte nicht, wie es sonst Brauch war, entlassen werden, sondern der Strafe für seine Gemeinheit nicht entgehen.
Der Zug kam gegen Wöbbelin heran. Auf freier Feldflur draußen sah man zwei einzelne hohe, stattliche Eichen stehen, und einer sprach zu dem andern:
»Dort müßten wir ihn begraben! Er hat die Eiche so oft besungen und das schöne Wort gesprochen:
Wachse du Freiheit der deutschen Eichen,
Wachse empor über unsern Leichen,