Walther mit seinem scharfen Jägerauge schien Befremdliches zu bemerken. Er ging bis hart an das Ufer des Flusses vor, kehrte dann rasch zurück und sagte:
»Wenn nicht alles trügt, so fahren die Schelme auf der Höhe da drüben Geschütze auf, und dann dürfen wir eines harten Angriffs gewärtig sein. Krause, eilen Sie nach der Schanze und machen Sie dem Grafen Nostiz Meldung; ich will indes mit Schweizer hier bleiben.«
Anna Lühring eilte von dannen, der Förster aber trat jetzt dichter an seinen jungen Gefährten heran und sagte, indes ihm die Stimme vor Erregung bebte:
»Nun weiß ich, wer Sie sind. Als der Blitz vorhin aufzuckte und Ihr Gesicht erhellte, da hat er mich einen Augenblick erinnert an Eleonore Prohaska, und ich wußte, daß auch Sie ein Weib sind – Elise Wendler.«
Die so Angeredete griff nach der Hand des Alten:
»Um Gottes willen, schweigen Sie! Lüften Sie nicht den Schleier von dem, was verborgen bleiben soll, wahren Sie mein Geheimnis!«
»Ja, aber ich habe die Verantwortung für Sie und für Ihr Leben gegen Konrad Schmidt, er würde mir's niemals verzeihen, wenn Ihnen ein Unglück passierte, nachdem ich weiß, wer Sie sind. Kind, Kind – alle Achtung vor Ihrem Mute, aber Weibersache ist's eigentlich nicht, sich herumzuschießen und herumzuschlagen, und daß ich mit Angst und Bangen einem Kampfe entgegensehe, solange Sie neben mir in diesem Rocke stecken, das dürfen Sie mir glauben.«
»Ist denn unser Blut zu schlecht fürs Vaterland?« sagte lauter, in aufwallender Begeisterung das Mädchen.
»Herrgott, nein – aber so lang' es noch Männer giebt, bedarf es nicht der Weiber im Streite!« erwiderte beinahe unwirsch der Alte, indes er unausgesetzt nach den Lauenburger Höhen hinüberschaute.
»So denken Sie, der August Renz, die Eleonore Prohaska, wär' noch neben Ihnen, und was Sie der gegönnt haben, das gönnen Sie mir auch. Sie schweigen und lassen mich gewähren, ja?«