Konrad senkte den Kopf und schwieg. Sie waren auch bei den andern angekommen, die einigermaßen verwundert die Reiter anschauten, und Schmidt kommandierte seine Leute zum Absitzen und zur Rast. Dann meldete er sich bei dem Befehlshaber der Hohnsdorfer Schanze, und nachdem dies geschehen, suchte er wieder den alten Freund auf, an dessen Seite zu traulichem Plaudern er sich niederließ. Auch von Elise sprach er, und wie er schon längere Zeit nichts von ihr gehört habe; er nahm ein vertrocknetes Zweiglein aus seiner Brieftasche, schaute es an mit Wehmut und Freude, ahnte aber nicht, daß zur selben Zeit ein leuchtendes Augenpaar glücklich und sehnsüchtig an ihm haftete.
Im Laufe des Nachmittags kam noch eine andere Reiterschar von Artlenburg her. Die Leute waren nur teilweise uniformiert, aber sämtlich bewaffnet, und an ihrer Spitze auf einem starkknochigen Pferde ritt ein grauhaariger Mann. Es hatte nichts Befremdliches, und jeder wußte, daß es Freiwillige waren, oder Leute, die ein vermögender Mann, ein Grundbesitzer, für seinen König auf eigene Faust angeworben hatte. Als die Reiter an Walther und Schmidt vorüberkamen, sprang der Letztere plötzlich auf, und ein Erbleichen flog über sein gebräuntes Gesicht:
»Herr Bastian!« schrie er auf; der andere aber hielt seinen Gaul an, und da er Konrad erkannte, rief er:
»Gott zum Gruß, Herr Lieutenant, und da komm' ich selber mit meinen alten Knochen und bringe meinem König noch ein Dutzend brave Burschen mit; ich denke, daß man uns wird brauchen können. Ich hab's daheim nicht mehr ausgehalten, zumal ich von meinem Jungen nichts mehr gehört habe. Er lebt doch … oder ist ihm etwas Menschliches passiert?«
Der alte Herr war im nächsten Augenblicke von seinem Gaul gestiegen, und sein frisches Antlitz war fahl geworden.
»Walther, bringe die Leute einstweilen unter!« bat Konrad, und der Förster verstand ihn. Er selber nahm die Zügel von Bastian's Pferde und forderte die andern auf, ihm zu folgen, Schmidt aber stand einige Sekunden schweigend vor dem Gutsherrn. Dieser stieß jetzt erregt hervor:
»Er ist tot! Sagen Sie mir's ruhig, Konrad, und Sie sollen sehen, daß ich's wie ein Mann trage – ich hab' ihn ja fürs Vaterland gegeben und für meinen König. Freilich die Alte – die Mutter – wie sie's tragen wird! – Nun, wo ist er geblieben?«
Schmidt griff tiefbewegt nach den Händen des alten Herrn und zog ihn sachte beiseite unter einen dichten überhängenden Strauch; dort sprach er dumpf und schweratmend:
»Ihr Sohn lebt!«
»Er lebt? – Aber was ist's mit ihm? – Um Gottes willen, was ist's? – Denn es muß etwas sein – es muß etwas Schreckliches sein, was Ihnen nicht über die Zunge will. Hat er eine Schlechtigkeit begangen?«