»Fassen Sie sich, Herr Bastian. Man hat ihm Feigheit vorgeworfen im Gefechte bei Göhrde, und die Kameraden haben nicht mehr mit ihm dienen wollen.«
Der Gutsherr wankte und Konrad mußte ihn stützen; sein Atem ging keuchend:
»Als Feigling ausgestoßen? – Tierschinder – Feigling – mein Sohn!«
Er ließ das Haupt sinken, und Thränen rollten ihm jetzt über die Wangen. Konrad that der Jammer des braven Mannes in tiefster Seele weh, und er suchte ihn zu beruhigen. Jener aber sprach:
»Sie meinen es gut, recht gut – aber was nützt das mir? – Sehen Sie, ich kam her mit der Freudigkeit eines Jünglings und wollte nun Seite an Seite mit meinem Jungen kämpfen und, wenn es sein müßte, bluten, und mein Weib hat mich gehen lassen mit schwerem Herzen, aber doch als ein echtes, braves, deutsches Weib – und nun darf ich nicht eintreten in ein ehrliches Korps, denn mein Name ist beschimpft, und jeder von den wackern Burschen, die ich mitgebracht habe, kann mich über die Achsel ansehen … o mir bleibt nichts übrig, als eine Kugel in den Schädel, denn so kann ich nicht heimkehren … ich müßte mich schämen mein Leben lang.«
In seiner Erregung riß er ein Pistol heraus und wendete es gegen sich, aber Schmidt fiel ihm in den Arm.
»Da sei Gott vor! So liegen die Dinge nicht, und daß Sie ein Ehrenmann sind, daran hat keiner ein Recht zu zweifeln. Aber auch Ihr Sohn ist nicht verloren. Wir haben's erlebt in diesen Tagen, daß der Sohn eines braven Kameraden, der noch viel tiefer gesunken war, als der Ihrige, sich wiederfand und nun im treuen Dienste des Vaterlandes steht … und man darf in unsern Tagen an keinem verzweifeln, so lang er noch lebt.«
Bastian steckte das Pistol beiseite, und kleinlaut fragte er:
»Und wo ist der Junge?« –
»Ihn zieht's, wie es scheint, zu seinem alten Korps. Er ist wiederholt gesehen worden in der Gegend, verstört und krank …«