Jetzt saß er da und putzte an einer seltsamen Waffe. Es war nicht der übliche Reitersäbel, denn diesen hatte er an der linken Seite hängend, zwischen den Knieen, sondern ein kurzes Schwert mit einer Klinge, die gut eine Hand breit war und einen wohl fingerdicken Rücken hatte; es war ein schier unheimlich Ding. Man erzählte sich als volle Wahrheit, daß es der alte Recke einem Scharfrichter abgenommen habe, weil ein ehrlich' Eisen viel zu gut sei für die Schelm-Franzosen. Er liebkoste beinahe die unbehagliche Waffe, und sah immer wieder, ob die Klinge blank sei, und dabei pfiff er vor sich hin, unbekümmert darum, ob andere herumstanden und ihm zusahen.

Jetzt erst schien er's zu gewahren, und sein Gesicht verzog sich zu einem ingrimmigen Grinsen, und er frug bärbeißig:

»Na, was gafft ihr denn? Habt ihr am alten Fischer oder an seinem Metzgermesser den Narren gefressen?«

»An beidem!« sagte lachend ein frischer Bursche und strich sich das Gelock von der Stirne.

»Gelbschnabel! Dich kenn' ich, Zander, und wenn du mit der Klinge so vornweg bist, wie mit der Zunge, nachher ist's gut!«

»Das wird sich bald zeigen!« lachte der Junge, »und ich wünschte mir dann wahrlich auch einen solchen Flamberg, wie Ihr in der Faust habt!«

»Warum, mein Junge?«

»Warum? – Weil man damit näher heran kann an den Gegner, und weil so ein Ding nicht so leicht splittert an Franzosenknochen!«

»Brav! Sieh, so gefällst du mir, Zander, und ich meine selbst, aus dir kann noch was Besseres werden als ein Pastor! – Bist doch wohl ein verpfuschter Theologe?«

»Ein verpfuschter just nicht! Ich hab' derweilen die Gottesgelahrtheit an den Nagel gehängt, weil's anderes zu thun giebt, und wenn ich nicht irgendwo mein Leben lasse, hoff' ich noch einmal zur Kanzel zu kommen.«