»Na, sagt mir, Petersdorff, was das wieder für eine verd… Geschichte ist, und wer daraus klug werden soll. Da quatschen wieder einmal die Federfuchser dazwischen und machen einem ehrlichen Soldaten, der für seinen König zum Krüppel geschossen worden ist, das Leben sauer. Muß ich mir denn das gefallen lassen, Petersdorff, daß das Civil- und Militärgouvernement in Berlin mir Verfügungen betreffs des Freikorps schreibt, während ich doch angewiesen bin, meine Befehle von meinem kommandierenden General von Bülow zu erhalten?«

»Verzeihen Sie, Herr Major – ich weiß noch gar nicht, um was es sich handelt!«

»Na, da lesen Sie diesen – – aber ich darf ja nicht einmal despektierlich werden. Um was es sich handelt? – Daß alle Inländer sofort das Freikorps verlassen und in die reguläre Armee eintreten sollen, widrigenfalls sie derjenigen Benefizien verlustig sein sollen, welche die andern Unterthanen Seiner Majestät genießen. Das bedeutet doch die Auflösung des Korps, Petersdorff. Die meisten meiner Leute sind aus den abgetretenen Provinzen und erfreuen sich jetzt auch der Herrschaft unseres Königs. Wenn die aber hören, daß das Korps jetzt völlig außer dem Gesetz erklärt werden soll, so kann ich sie nicht länger im Dienste halten. Die übrigen Ausländer aber werden des bessern Teils ihrer Kameraden beraubt und werden die nächste beste Gelegenheit ergreifen, sich dem Korps zu entziehen.«

Der Rittmeister gab das Schreiben zurück; auch über sein Gesicht liefen Schatten des Unmuts, da er sagte:

»Es wird sich daran wenig ändern lassen, und wir können uns nur damit getrösten, daß, wer zur regulären Armee übergeht, immer wieder für dieselbe Sache steht und ficht, für König und Vaterland. Und wer ein braver Soldat ist, geht dahin, wo ihn sein König hinstellt!«

Der Major sah seinen Kampfgefährten groß an.

»Hol' mich der Satan, Petersdorff – Sie fassen die Sache ja recht gutmütig auf; vielleicht gewöhne ich mich auch an diese Auffassung, heute nur ist mir's noch nicht möglich.«

Eine Ordonnanz trat ein und brachte ein Schreiben. Lützow erbrach es rasch; es war von dem Befehlshaber der Nordarmee, dem schwedischen Kronprinzen Karl Johann, und lautete:

»Sobald Sie den Rhein mit Ihrer Kavallerie erreicht haben werden, wird es Ihre Aufgabe sein, das Land von Elberfeld bis Düsseldorf aufzuklären. Zu diesem Zwecke haben Sie Ihre Rekognoszierungen bis Wesel, ja womöglich bis zur Yssel auszudehnen. – Sie haben mich von allen eingegangenen Nachrichten in Kenntnis zu setzen und werden nicht verfehlen, dieselben auch dem General Wintzingerode mitzuteilen.«

»Hurra – da giebt's wieder Arbeit, Petersdorff! Aber zum Henker, ich kann doch nicht mit den Krücken zur Rekognoszierung fahren! Geht's denn ohne die Dinger nicht?«