»Sie ist ein starkes, mutiges Mädchen und solcher Situation gewachsen; seien Sie unbesorgt, Konrad!«
»Und was führt Sie hierher?«
»Die Erbschaftssache der alten Tante, die gestorben ist. Kommen Sie, lassen Sie uns in diesem Siegesjubel ein stilles Plätzchen suchen, wo wir mitsammen das Ereignis feiern. Hei, mein Leipzig hat heute einen guten Klang bekommen und wird genannt werden, so lange noch deutsche Herzen schlagen.«
Er nahm den jungen Lützower unter den Arm und führte ihn nach seiner Wohnung, und hier saßen sie, während immer noch die Glocken läuteten und die jauchzenden Menschen auf den Straßen sich drängten.
Schon zwei Tage später verließen die Lützower die Stadt, nur eine Abteilung Kosaken blieb zurück, um die Festungswerke zu schleifen und so eventuell den Feind zu hindern, sich noch einmal in Bremen festzusetzen.
Am selben Tage aber ritt auch der Kurier Jakob Walther nach herzlichem Abschiede von seinem Vater durch das Osterthor hinaus und wandte sich südwärts, um seinen Truppenteil wieder aufzusuchen.
Dekoration
Zehntes Kapitel.
In Frankreich und wieder daheim.
Es war zu Weihnachten 1813. Das Lützowsche Freikorps lag in Holstein gegen Dänemark zu Felde, und der Major selbst befand sich zu Poppenbüttel an der Alster. Seine letzte Verwundung machte ihm noch immer schwer zu schaffen, so daß er an Krücken einherhumpelte und seinen Leuten, wenn es not that, im Wagen nachfahren mußte. Die Stimmung des thatendurstigen Kriegsmannes war darum nicht die beste.
Und heute war er ganz aus der Fassung. Er saß in einem alten Lehnstuhl und hatte die Krücken neben sich stehen; bei ihm befand sich der Rittmeister von Petersdorff. Lützow hielt in der Linken ein Papier, allem Anschein nach ein amtliches Schreiben, und mit der Rechten zwirbelte er erregt die Enden seines Schnurrbarts.