Heftiges Schluchzen erschütterte den Leib des Mannes, um dessen Schulter der Pastor tröstend seinen Arm schlang. Konrad aber sprach:

»Dann will ich Ihnen einen Trost bringen. Auch Ihr Sohn ist gefallen im Dienste des Vaterlandes. Er war wie der treue Eckart der Lützower Reiter in Frankreich, er hat sie geführt in schweren Tagen und hat sie gewarnt in Gefahr, auch wenn er ihren Rock nicht mehr trug. Bei Rouvroy fiel er, von französischen Kugeln durchbohrt, und um sein Grab standen brave, deutsche Soldaten und haben ihm die letzten Ehren erwiesen.«

Da richtete sich die erschlaffte Greisengestalt Bastians auf, ein Leuchten ging über das Gesicht.

»So darf ich von ihm reden und um ihn trauern wie hundert andere Väter um ihre Heldensöhne?«

»Das dürfen Sie, und für seinen braven Tod bin ich nicht der einzige Zeuge!«

»Gott sei gelobt – Sie wissen nicht, wie wohl Sie meinem Herzen thun, Herr Schmidt – ich danke Ihnen! Und nun lassen Sie mich zu meinem Weibe gehen und ihm sagen, daß unser Junge kein Verlorener, kein Verstoßener, kein Vergessener ist!«

Er reichte den beiden die Hand, und hoch aufgerichtet ging er nach dem Gutshofe zu, während Konrad und sein Vater ohne jede Verabredung ihre Schritte nach dem stillen Grabe hinlenkten, darunter das Mutterherz schlief, das auch ein Opfer für das Vaterland geworden war.

Zwei Jahre später zog ein junger Pfarrer in das alte Pfarrhaus ein, an der Seite seines Weibes. Die Thüren waren geschmückt mit Eichenlaub, und an der Schwelle begrüßte das Paar der silberhaarige Geistliche, der sein Amt in seines Sohnes Hände übergab. Der trug an seinem Gewande das eiserne Kreuz, und wie sein Weib mit Stolz darauf hinblickte, sprach er:

»Und du hast es ebenso verdient wie ich!«

»Der Herr segne euern Eingang!« sprach der Mund des greisen Pastors, und mit beiden Armen umschlang er seinen Sohn und dessen Weib Elise. –