»Hm,« grunzte der alte Offizier – »die halbe Eskadron sind Pastoren!«
»Wenn sie nur was taugen!« rief der unverbesserliche Lützower, und Fischer sprach:
»Wollen sehen, ob ich ihn kriegen kann – wär' schade, wenn sie euch auseinander rissen. – Um den alten Freund thut mir's leid – 's ist kein rechtes Leben beim Fußvolk,« setzte er beinahe flüsternd hinzu. Dann führte er die neuen Ankömmlinge zu dem Tische, wo der Hauptmann und der Schreiber saßen, um sie in aller Form einzuschreiben. Die Sache war bald abgethan in der üblichen Weise, außergewöhnlich war es nur, daß Walther fragte, ob er auch seinen Hund bei sich behalten könne.
Als ob das Tier es wüßte, daß es sich um seine Beziehungen handle, trat es dicht an seinen Herrn heran und hob den feinen Kopf mit den klugen Augen und sah Hauptmann von Helmenstreit an; der lächelte:
»'s ist zwar außergewöhnlich, daß ein Vierfüßler sich meldet zu den Lützowern, aber ich will's verantworten, denn er scheint gut gezogen.«
Flott wedelte verständnisvoll mit der schönen Rute, der Förster fuhr ihm mit der Hand über den Kopf, und die Sache war abgethan. Gleich darauf saßen die beiden Neuen unter den Übrigen, und von allen Seiten streckten sich ihnen kräftige Hände zum Willkomm entgegen.
Nachdem sie noch an diesem Tage sich in Breslau ein wenig umgesehen hatten, wo die allgemeine Begeisterung die höchsten Wellen schlug, und wo die seltsamsten und herzerhebendsten Geschichten erzählt wurden von der Opferwilligkeit von Männern, Frauen und Jungfrauen, von welch letzteren manche sogar ihr Haar abgeschnitten und den Erlös für die gute Sache geschenkt hatten, während manch braves deutsches Eheweib ihren goldenen Trauring opferte und dafür einen eisernen nahm – mußten sie am nächsten Tage nach ihren Sammelquartieren.
Das war für das Fußvolk das freundlich am Fuße des Zobtenbergs gelegene Städtchen Zobten, für die Reiterei das an der Breslauer Straße liegende Dorf Rogau. So mußten sich Walther und Schmidt zwar trennen, aber das war nicht von Bedeutung, denn die beiden Orte lagen nur ein halb Stündchen voneinander entfernt, und man konnte sich häufig genug sehen.
Hier wie dort aber herrschte ungemein reges Leben. Den ganzen Tag über sah man die Freiwilligen zu Fuß und Roß exerzieren, Reit- und Schießübungen vornehmen, und in den freien Stunden saßen sie beisammen und begeisterten sich gegenseitig und sangen die Lieder von Arndt und Körner.
Im »Hirsch« in Zobten fand sich an jedem Abend eine stattliche, vergnügte Gesellschaft zusammen. Beim braunen Gerstensafte, wohl auch bei blinkendem Weine, saßen die »schwarzen Jäger«, tauschten Erlebnisse und Erinnerungen aus und sprachen von Feldzugsplänen, als ob jeder von ihnen selbst ein Korps zu befehligen hätte. Mancher skizzierte seine strategischen Anschauungen wohl auch mit Kreide auf dem Tische, und der Meinungsstreit war mitunter ein recht lebhafter.