Wer den Flamberg schwingen kann!

Hunderte stimmten ein in die letzten Worte, die Lützower hatten die Klingen aus den Scheiden gezogen und schlugen sie klirrend aneinander, und als Konrad von dem Tische herabsprang, zog ihn stürmisch der alte Freund an die Brust, der Hund, der ruhig zu dessen Füßen gelegen, bellte laut wie in freudiger Zustimmung, und überall her streckten sich ihm Hände entgegen zu herzlichem Drucke.

Aus der Mitte der Menschen aber rang sich ein junges Mädchen los, hochgewachsen und schlank, mit dunklen Augen, die jetzt wie von heiligem Feuer brannten, und einem ungemein lieblichen und von Begeisterung gerötetem Gesichte. Sie war an den Tisch der Studenten hingeeilt, mit einer heftigen Bewegung schob sie Krüge und Becher hinweg, daß sie umstürzten und die braune Flut sich auf den Boden ergoß, und mit schöner, volltöniger Stimme rief sie den erstaunten Zechern zu:

»Und Euch brennt's nicht in den Herzen, hinzutreten und Euer Blut und Leben mit einzusetzen? – Euch lodern nicht die Wangen in verzehrender Scham darüber, daß Ihr bis jetzt vergessen habt, was Eure heilige Pflicht wäre? – O daß ich nur ein Mädchen bin! Ich wüßte, was ich für ein Los erwählte. Siegen mit dem Vaterlande, oder sterben für das Vaterland! Wer ein Mann und kein Bube hinter dem Ofen ist, hat in dieser Stunde keine Wahl, und eine bessere Gelegenheit, Euern Mut zu zeigen, findet Ihr nicht. Das sind nicht Söldner, die hier unter uns stehen, sondern freie und edle Männer, die der Kampf und die Rache zusammenführen – in ihren Reihen ist noch Platz für viele. Vorwärts mit Gott!«

»Das soll ein Wort sein!« rief einer aus dem Kreise der Studenten, ein frischer Junge mit blitzenden Augen. Dann schritt er rasch an Konrad Schmidt heran und streckte ihm die Hand entgegen:

»Hier habt Ihr mich – ich bin von Stund' an ein Lützower!«

»Auch ich! – Und ich! – Und ich!« – Und immer mehr eilten herbei, und die allgemeine Begeisterung stieg in das Unendliche. Nur Bastian saß mit einem beinahe blöden Grinsen und mit den von Trunkenheit glänzenden Augen da, ein nahezu widerwärtiges Bild in diesem Momente. Er sah nur das schöne, erregte Mädchen, aber in seine Seele fiel kein Strahl der Erhebung; und wie sie jetzt an ihm vorüberstreifte, schlang er plötzlich seinen Arm um sie und zog die Überraschte an sich heran.

»Ein ganz schönes Schätzchen!« sagte er mit schwerer Zunge; das Mädchen aber, das einen seltsamen Blick der Verachtung auf ihn geworfen, rang sich los und rief nur das Wörtchen: Pfui! ihm ins Gesicht. Das aber brannte auf demselben, als hätte der frivole Bursche einen Schlag erhalten. Er schnellte vom Sitze auf und wollte zornig nach dem Mädchen greifen, aber ein stattlicher älterer Herr stand dazwischen.

» Dr. Wendler – und hier meine Tochter! Wenn Sie etwas von ihr wünschen, wenden Sie sich an mich!« sagte er kühl und fest, und nahm das Mädchen, das jetzt ein leises Zittern überlief, an der Hand.

»Was fällt dir ein, Elise?«