Sie warf sich einen Augenblick an die Brust des Mannes: »Verzeih, Vater, ich konnte nicht anders – und es war ja auch gut so. Jetzt aber laß mich auch dem Lützower danken, der im Namen Körners gesprochen hat!«

Konrad Schmidt aber suchte auch seinerseits die patriotische Jungfrau, und so begegneten sie sich auf halbem Wege und streckten sich von selbst die Hände entgegen, und Beider Worte klangen durcheinander.

Als die allgemeine Bewegung ein wenig verflutet war, saß Dr. Wendler mit seiner Tochter an dem Tische neben Konrad, und im Gespräche stellte es sich heraus, daß er dessen Vater aus der Studentenzeit von Jena her kannte. Er bat darum den jungen Mann dringend, bei ihm Quartier zu nehmen, zumal auch Theodor Körner, dessen Vater ebenfalls ihm warm befreundet sei, bei ihm wohne. Da Konrad ohnehin mit seinen beiden Freunden nicht gemeinsam hausen konnte, nahm er das Anerbieten dankbar an, und gegen Abend ging er mit dem Doktor und seinem schönen Kinde heimwärts. Zuvor aber wurde Elisen noch eine Ovation dargebracht, deren spontane Begeisterung ihr heiße Röte in die Wangen trieb.

Der Tisch, an dem die Studenten saßen, war leer geworden, nur Bastian saß noch an demselben, das gerötete Gesicht auf die Faust gestemmt, und sah höhnisch lächelnd die Drei an sich vorübergehen. »Viel Vergnügen, Hähnchen!« rief er spöttisch, aber niemand kümmerte sich um ihn, und er griff wieder zu seinem Trunke. Dr. Wendler aber sagte:

»Wer ist der unangenehme Bursche?«

»Ein Pfahl im Fleisch unseres Korps,« erwiderte Schmidt – »wo Licht ist, ist auch Schatten, und wir haben noch mehr Elemente, angesichts derer man mit Moor sagen möchte: «Ich will unter Euch treten und fürchterlich Musterung halten.»« …

Dr. Wendler bewohnte ein freundliches Haus in einer Vorstadt, und Schmidt fand sich trefflich bei ihm aufgehoben. Daß er mit Körner unter einem Dache hauste, war ihm besonders erfreulich, und die beiden für gleiche Ziele begeisterten Jünglinge kamen sich rasch freundschaftlich nahe. Die Tage vergingen schnell und schön, und vor dem ernsten Kriegesspiel war es noch einmal wie ein freundliches Idyll, das die jungen Krieger umgab. Da ging am 23. April die Kunde, es sei der Befehl von Scharnhorst eingetroffen zum sofortigen Ausmarsch, wobei das Fußvolk sich in den Harz, in den Sölling oder in den Lippeschen Wald werfen, die Reiterei die Verbindung der einzelnen Abteilungen erhalten und den Feind in den Flanken und im Rücken belästigen sollte.

Die Nachricht brachte Erregung unter die Streiter und ihre gastlichen Wirte. Die Waffen wurden immer wieder geschärft und geputzt, Briefe an Verwandte und Freunde geschrieben, und manch' bewegter Abschied ward genommen.

In dem Garten des Dr. Wendler, auf dem in der Sonne flimmernden Kiesweg ging Konrad Schmidt neben Elise. Der Frühling hatte rings die ersten Blüten gelockt, ein Veilchenduft lag in den Lüften, und das junge Grün an Baum und Strauch lachte ins Herz. Da ging den beiden Menschen die Seele auf. Konrad hatte erzählt von seinem stillen Vaterhause und von seiner kranken, heldenmütigen Mutter, und die Augen des schönen Mädchens an seiner Seite leuchteten.

»Ja, auch das Weib kann stark sein, wenn es das Vaterland gilt!« sprach sie mit glühenden Wangen. – »O daß ich die Kraft zeigen könnte, die in mir lebte. Aber ich muß hier ruhig sitzen mit gefalteten Händen, und kann nur wünschen und beten.«