»O nein, Sie können mehr – Sie haben es bewiesen im «Rosenthal», wo Ihre Worte die Herzen entflammten, und Sie werden es beweisen, wenn unsere wunden Leiber im Lazarett liegen und der Pflege bedürfen werden. Dort wird der Schauplatz des weiblichen Heldensinnes sein.«
Das Mädchen schauderte leicht zusammen:
»O daß ich keinen, der mir lieb ist, dort finden müßte – und doch, wenn's wäre, ich wollte Nacht und Tag nicht rasten, um ihn der Genesung entgegenzuführen und dem Vaterlande zu erhalten.«
Von einer seltsamen Rührung ergriffen, streckte Konrad ihr beide Hände entgegen, und sie legte langsam, wie zu einem stummen Gelöbnis, die ihrigen hinein:
»So gern ich mein Blut und Leben dem Vaterlande opfere, so glücklich wäre ich doch, Sie im befreiten Vaterlande wiedersehen zu können; dürfte ich darauf zählen, daß Sie auch für mich ein Blatt des Lorbeers hätten, es mir auf die heiße Stirn zu legen, und daß Sie ein freundliches Willkommen mir böten?«
»Das dürfen Sie. Was soll heute thörichte Zurückhaltung? Wer dem andern einen Trost und eine Freude mitgeben kann auf seinen Weg, der mag es thun. Ja, als ich Sie im «Rosengarten» sah und hörte, wie Sie aus innerster Seele Körners Lied in heiliger Begeisterung sprachen, da hat es mich hingezogen zu Ihnen, und ich weiß seitdem, daß ich Sie lieb habe und daß mein Denken mit Ihnen geht in den herrlichen Streit!«
»Elise!« rief er mit einem mühsam verhaltenen Aufjauchzen, dann hielt er einen Augenblick nur die Jungfrau im Arm und fühlte ihren Kuß auf seinem Munde, sogleich aber wand sie sich los und sagte errötend:
»Genug! Dazu ist jetzt nicht Zeit!«
»Ja, du hast Recht, du Herrliche, aber wie ein Geweihter gehe ich nun zum Streite und fechte auch für dich. Helfe Gott uns und dem Vaterlande!«
Sie riß einen kleinen blühenden Zweig vom nächsten Strauche und reichte ihn dem Jüngling. »Zur Erinnerung an diese Stunde!« sprach sie dabei; er aber nahm die Blüten und legte sie in seine Brieftasche und barg diese an der Brust über dem Herzen.