»So geht der Zweig mit mir in Kampf und Streit – vielleicht auch in den Tod!« sagte er leise, und dann gingen sie schweigend, Hand in Hand, den umbuschten Weg entlang.

Zwei Tage später brach das Lützowsche Korps von Leipzig auf in einer Stärke von 1000 Mann Fußvolk und 340 Reitern, wozu noch 50 Kosaken stießen, die der russische General Wintzingerode beigestellt hatte. Nur eine kleine Abteilung unter dem Rittmeister Fischer blieb zunächst noch zurück.

Vielfach marschierte man die Nächte hindurch und rastete am Tage abseits von den Straßen in Gehölz oder in einem entlegenen Dorfe, wobei Streifdetachements und Patrouillen nach verschiedenen Seiten zur Rekognoszierung ausgesandt wurden. Mancher kleine glückliche Handstreich gelang, Couriere wurden aufgefangen, Kassen aufgehoben, feindliche Transporte weggenommen, aber die Sehnsucht, so recht eigentlich an den Feind zu kommen, schien sich nicht sobald erfüllen zu sollen.

Just da das Korps über die Elbe gehen wollte, kam die Nachricht von der Schlacht bei Großgörschen, die am 2. Mai geschlagen worden war. Wohl waren die Verbündeten von Napoleon zum Rückzug gezwungen worden, aber der Reiter, der die Kunde brachte und selbst mitgefochten hatte, erzählte von der Begeisterung, die Aller Herzen erfüllte, und wie keiner das Gefühl einer Niederlage habe, denn die Franzosen hätten viel Leute und auch zahlreiches Geschütz verloren, und die deutschen Truppen brennten vor Begierde nach neuem Kampf.

Lützow aber mußte unter diesen Umständen doch seine Absicht, den Harz zu gewinnen, aufgeben, und gedachte sich mit dem General Wallmoden zu vereinen, um sich mit diesem gegen den Marschall Davoust zu wenden, der Hamburg bedrohte.

Einige kleinere Abteilungen jedoch sollten in der Altmark bleiben und diese in der gewohnten Weise durchstreifen.

Bei einer derselben befanden sich Schmidt und Zander. Unter Führung des Lieutenants von Reiche trabte die kleine Schar fröhlich und unternehmungslustig in den schönen Maimorgen hinein. Sie war von Seehausen ausgeritten, um den Elbe-abwärts stehenden Feind aufzusuchen. Über Schnackenburg ging es nach Dannenberg und Dalenburg, immer mit der nötigen Vorsicht. Schmidt und Zander bildeten die Vorhut und ritten etwa ein halbes Stündchen den Andern voraus. Bei Dalenburg hielten sie vor einem einsamen Mühlengehöft einige Augenblicke an, um einen Trunk zu begehren. Der Müller war herausgetreten und sah sie einigermaßen verwundert an.

»Wo wollt Ihr denn hin? – Wenn Ihr hier die Straße weiter reitet, kommt Ihr auf Ulanen.«

»Was für Ulanen?« fragte Schmidt.

»Ja, ich meine, es sind Polen – sie schnackten so unverständlich – Preußen sind's nicht. Auch müssen wohl morgen oder übermorgen viel Franzosen nach Berge und Clenze kommen wollen, denn sie müssen dort große Lieferungen aufbringen,« sagte der Mann.