»Habt schönen Dank, Müller,« rief Schmidt, und gleich darauf stoben die beiden Lützower davon, die Straße zurück, auf welcher sie gekommen waren. Der Müller sah ihnen mit schmunzelndem Behagen nach und murmelte: »Sind frische Jungen und zu gut für 'ne Franzosenkugel!«
Die beiden hatten dem Lieutenant von Reiche ihre Meldung gemacht, dieser überzeugte sich am nächsten Tage, daß die Reklamationen in Clenze nur zum Schein gemacht worden waren und um irrezuführen, und schickte nun die beiden Freunde zu dem Lieutenant Obermann nach Seehausen zur weiteren Meldung.
Von dieser Sendung ritten die Beiden gegen Neuhaldensleben zurück, wo ihre kleine Abteilung stand. Der Abend war hereingebrochen und Schmidt fand, daß sie sich verirrt hatten. Ihre Pferde waren müde, und Roß und Reiter war einige Rast zu gönnen.
Im dämmerigen Zwielicht hatten sie einen kleinen Flecken mit einem größeren Gebäude, vielleicht einem Gutshofe, etwas seitab bemerkt, und auf diesen ritten sie zu. Der Maiabend war trübe, gegen Sonnenuntergang stand eine Wolkenwand, und der kleine Ort lag, wie sie näher kamen, wie in einen Nebelschleier gehüllt. Den Beiden war das nicht unangenehm, sie kamen so unbemerkt bis an das erste Gehöft, und unfern desselben stieg Schmidt vom Rosse und bat seinen Gefährten, mit den zwei Pferden zurückzubleiben, indes er selbst sich in den Ort schleichen und kundschaften wolle, ob alles sicher sei.
Zander ritt ein wenig seitab vom Wege mit den Rossen, Schmidt aber huschte durch den Nebel fort, bis er an einen Gartenzaun kam. Rasch und gewandt kletterte er über denselben, und geräuschlos setzte er seinen Weg fort durch den Garten, in welchen er geraten. Da vernahm er unfern ein eigentümliches Geräusch, wie das Arbeiten eines Messers in frischem Holze und dann ein Knacken. Vorsichtig eilte er näher, und nun vermochte er, gedeckt von einem kleinen Gebüsche, deutlich zu sehen, wie ein Mensch zwischen den jungen Stämmchen einer Baumschule stand und eben jetzt wieder eines derselben anschnitt. Mehrere waren schon geknickt und senkten traurig die gebrochenen Kronen mit dem junggrünen Laube.
Das war ein empörender Frevel, und ohne Überlegen sprang Konrad vor und fiel dem Menschen mit raschem Griff in den rechten Arm. In der ersten Bestürzung ließ dieser das Messer fallen, dann sah er seinen Gegner in der dunklen Uniform, deren Knöpfe deutlich blinkten, an, und da er sah, daß dieser jung und scheinbar nicht allzu kräftig sei, wollte er mit einem Fluche sich ihm entwinden. Aber Konrad war stärker als er aussah und hielt den Burschen eisern fest.
So rangen sie stumm, denn Jeder hatte ein Interesse, Lärm zu vermeiden, obwohl es dem Lützower in dem Augenblicke nicht klar war, was er mit dem Burschen wollte. Jetzt bellte ein Hund, und gleich darauf kam das Tier in langen Sätzen herbei. Der Mensch rief es halblaut an: »Sultan, Sultan – faß!« und aufs neue suchte er mit allem Kraftaufwande sich frei zu machen.
Nun war das Tier zur Stelle, aber anstatt Konrad anzugreifen, stand es bei den Ringenden und erhob ein wütendes Gebell, das notwendigerweise Aufsehen erregen mußte. Nun kannte auch Schmidt keine Rücksicht mehr, er rief laut: »Herbei, Hierher!« und schon nach wenigen Augenblicken kamen Schritte in großer Hast. Ein älterer Mann in Bauerntracht erschien, hinter ihm ein junger Bursche.
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»Was giebt es da?« rief der Erstere schon von weitem.