Er übergab einem Knechte das Pferd zu ganz besonderer Pflege, aber er war von diesem Augenblick an verstimmt und gedrückt, zumal er kein zweites Roß in gleichem Zustande fand. Sein Sohn aber sah finster und giftig drein, nicht bloß, weil noch zwei Kameraden den Unmutsausbruch seines Vaters gehört, sondern weil in ihm wieder der Ingrimm gegen Konrad geweckt worden war, und während alle andern mit tiefem Mitleid des armen Genossen dachten, erfüllte ihn in dieser Stunde ihre Teilnahme erst recht mit zornigem Hasse.
Das Detachement des Rittmeisters Fischer bildete den Vortrab für die Lützower Kavallerie, welche am nächsten Tage unter Führung des Majors selbst durch den Ort kommen würde, und Fischer mußte, seiner Ordre gemäß, noch in der Nacht weiterreiten. Aber gern ließ er vier Mann noch bei Zander und Konrad zurück, damit der letztere am andern Tage noch seine Mutter begrabe und sich dann Lützow selbst wieder anschließe.
So saß der Jüngling an diesem Abend bei der geliebten Leiche, und wenn er den ergrauten und gebeugten Vater ansah, kam ihm lebhaft der Abend in dem abgelegenen schlesischen Forsthause in Erinnerung und der brave Walther, der wohl jetzt mit der Infanterie vor Leipzig liegen mochte. Und auf die erkalteten Hände der teuren Toten schwur er auf's neue, Blut und Leben an die Befreiung des Vaterlandes zu setzen und auch diesen Mord als ein ehrlicher Reiter und Streiter zu rächen.
Es war eine erhebende Leichenfeier, die am nächsten Spätnachmittag das Weib des Pfarrers hatte. Lützow selbst hatte kurze Rast gehalten, und um die stille Grube, in die man den eilig gezimmerten Sarg versenkte, standen die Offiziere des Freikorps, und eine Abteilung Husaren bildete das Ehrengeleit. Der alte Pfarrer hielt seiner Lebensgefährtin selbst die Grabrede; die Thränen rannen ihm dabei über die Wangen, und manchmal erstickte es ihm die Stimme, aber er ward wieder fest, und wie den Prediger im Kirchlein von Rogau überkam ihn Begeisterung und der Prophetenton des patriotischen Sehers. Er verkündete den Sieg der guten Sache, wenn nur jeder bereit sei, sein Liebstes zu opfern.
Dann breitete er die Hände segnend über das Grab und hob sie wieder nach den wehrhaften Männern, und gab ihnen ein Weihewort mit, so daß alle tief ergriffen waren.
Als jedoch die Erdschollen niederrollten auf den Sarg, fielen Vater und Sohn sich schweigend in die Arme. Keiner vergoß eine Thräne, aber innig hielten sie eine Weile sich verbunden.
Jetzt riß sich Konrad los und drückte die Hände der Kameraden, die sich teilnahmsvoll ihm entgegenstreckten, Körner aber sprach:
»Deine Mutter hat ein erhebend' Leichenbegängnis gehabt, das sei dir zum Trost: Sie hat bei ihrem Heimgang noch uns die Herzen entflammt, und das Gedächtnis auch dieser Stunde wird in uns fortleben. Du aber hast eine Weihe erhalten, um die du beinahe beneidet werden magst.«
Vom Grabe der Mutter weg stieg Konrad in den Sattel. Vor der kleinen Thüringer Dorfkirche waren die Lützower aufgeritten, laut erscholl das Kommandowort des Majors, und während die Leute, die ringsum standen, ihre Mützen schwenkten und ihr Hurra nachriefen, trabten sie fort in den sinkenden Abend, der untergehenden Sonne entgegen.
Beim Gutshofe stand der alte Bastian mit seinen Knechten und schwenkte seine Kopfbedeckung. Lützow reichte ihm, den er am Friedhofe kennen gelernt, die Hand, ebenso sein Sohn und Konrad, und dieser bat: