»Seine Mutter!« sagte Zander dumpf, Konrad aber sprang jetzt auf, sah mit irrem Auge umher und stürzte sich dann abermals auf den Franzosen, der den Schuß gethan. »Den da – diesen einen überlaßt mir, daß ich ihm die verruchte Hand abschlage, die diese That gethan, und daß ich mit seinem eigenen Pistolenkolben ihm den Schädel zerschmettere!«
Er hatte mit Riesenkraft den Chasseur niedergeworfen und zerrte ihn jetzt zu der Leiche heran, bei welcher noch immer der Pfarrer kniete, Fischer aber rief:
»Schmidt – das ist unwürdig – losgelassen, Lützower Reiter, ich befehl's!«
Da erhob sich Konrad; seine Brust bewegte sich heftig, seine Hände zitterten, aber fest aufgerichtet, dienstlich stramm stand er vor seinem Vorgesetzten.
»Die Sache wird ehrlich untersucht werden, und wenn's ein Meuchelmord ist, dann wehe ihm! Jetzt aber sagt: Sind noch mehr Franzosen im Orte?«
»Etwa ein halb Dutzend noch auf dem Gutshofe,« sprach Zander, und nach wenigen Augenblicken trabte das kleine etwa 20 Mann starke Detachement, von welchem nur vier Mann zur Bewachung der Gefangenen zurückblieben, nach dem Gutshofe.
Eine Viertelstunde später war Rittmeister Fischer wieder da; von den überraschten Franzosen war nicht einer entkommen, Bastian aber, der noch dazu die Freude hatte, seinen Sohn wiederzusehen, hatte die Lützower gastlich aufgenommen und bewirtet. Fischer brachte in seiner rauhen Weise Trost: Das sei eben der Krieg, und wie hundert Mütter ihre Söhne opfern müßten, so müsse auch ein Sohn seine Mutter verschmerzen können; auch sie sei für das Vaterland gestorben. Und Konrad wurde ruhiger und vermochte jetzt sogar seinen Vater zu trösten, der unendlich gebeugt war.
Im Gutshof aber hatte der wackere Besitzer nicht nur nach den Reitern, sondern auch nach den Pferden gesehen; auch sie sollten auf das Beste versorgt werden. Bei dem Rosse, das seinem Sohne gehörte, blieb er stehen. Das Tier fraß ohne die freudige Gier der andern, und zuckte manchmal zusammen.
»Dem Gaul fehlt etwas,« sprach er zu seinem Sohne, der mit ihm ging und nun einigermaßen verlegen schien, und trat ganz nahe an den Braunen heran, um ihn zu streicheln. Da bemerkte er, daß derselbe gedrückt und aufgerieben war, und eine Röte des Unwillens stieg ihm ins Gesicht.
»Hermann, wie behandelst du dein Pferd? – Bist du ein schlechter Reiter oder ein Tierschinder? – Das erste glaub' ich nicht, und das andere möcht' ich nicht glauben. Das Pferd ist der gute Kamerad des Soldaten, und der Reiter, der auf sein Pferd nicht hält, ist ein Schandkerl. Sieh' den Braunen an! Du hast ihn wundgeritten und nun läßt du ihn hier stehen, ohne etwas zur Linderung zu thun, und packst ihm den Sattel wieder auf die Wunde? Pfui … daß ich daran denken muß, wie du den armen Hund mißhandelt hast!«