Dekoration
Viertes Kapitel.
Der Verrat bei Kitzen.
Auf dem Marktplatze der kleinen Stadt Roda stand eine Abteilung von Rheinbundstruppen, die mit Napoleon verbündet waren. Sie machten sich eben zum Ausmarsch bereit, als durch die Gasse herein Hufschlag erklang und gleich darauf fünf schwarze Reiter dahergesprengt kamen, an ihrer Spitze Konrad Schmidt. Der Offizier der Rheinbündler rief ein Kommando, im nächsten Augenblick waren 200 Flintenmündungen gegen die Lützower gewendet und der Ruf erscholl:
»Ergebt Euch!«
»Halt, Herr Hauptmann!« rief Schmidt dagegen. »Lassen Sie Ihre Leute die Gewehre bei Fuß nehmen, denn wir kommen, Sie zur Ergebung aufzufordern; unmittelbar hinter uns reitet Major von Lützow mit 4 Eskadronen, ein Widerstand Ihrerseits wäre Wahnsinn – opfern Sie nicht nutzlos das Leben Ihrer Leute!«
Der Offizier ließ den gehobenen Säbel sinken.
»Verhält sich das wirklich so?«
»Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.«
»Dann lassen Sie uns in Waffenstillstand warten, bis der Major kommt!«
Die Lützower zogen sich ein wenig zurück, die Rheinbündler hielten sich ziemlich gleichmütig in Ruhe, und als nach einem halben Stündchen Lützow kam, befahl er ohne weiteres dem Offizier, die Gewehre strecken zu lassen, was auch mit ordnungsmäßigen Griffen ausgeführt wurde. Die gefangenen Offiziere wurden gegen ihr Ehrenwort, in diesem Kampfe die Waffen nicht mehr führen zu wollen, entlassen, den Soldaten aber redete Lützow in seiner kurzen, kräftigen Art ins Gewissen, daß sie doch deutsche Männer wären und daß es eine Schande sei, in solchem Kampfe auf der Seite der Feinde des Vaterlandes zu stehen, und schon nach kurzem erklärte eine größere Anzahl der Leute, in die Dienste Lützows treten zu wollen, der so auch hier eine kleine Infanterie-Abteilung gewann, welche er unter den Befehl des Lieutenants von Reiche stellte.