»Herr Lieutenant, ich möchte Ihnen noch eine heimliche, dringende Mitteilung machen.«
Der Offizier stutzte, dann winkte er dem Burschen hinauszugehen und folgte ihm nach. Im Hausflur aber sprach der erstere hastig:
»Herr Lieutenant, die beiden, die da drin sitzen, sind Spione; ich kenne sie alle zwei. Es sind Lützower Reiter; der eine ist mir ganz gut bekannt, und auch den zweiten hab' ich in der Uniform gesehen.«
Auch der Offizier wurde erregt.
»Täuschest du dich nicht, Jakob?«
»Nein, Herr Lieutenant; ich habe gute Ursache, mir besonders den einen zu merken, und es thät mir leid, wenn sie entwischten.«
Der Offizier kannte seinen Vater und seinen Bruder; ihr Zusammensitzen mit den beiden erschien ihm mit einem Mal bedeutsam. Einen Augenblick schwankte er, denn er sah sich in die Wahl gestellt vor dem Zorne, ja der Verachtung seiner Angehörigen, und andererseits vor einer Anerkennung und vielleicht einer Beförderung, und der Ehrgeiz, den er in seinem Gewissen mit dem Pflichtgefühl maskierte, siegte. Er befahl dem Soldaten, sofort nach der Wache zu eilen und eine bewaffnete Patrouille herbeizuholen, dann kehrte er in das Wirtszimmer zurück und setzte sich mit möglichster Ruhe wieder an den Tisch, wo das Gespräch sich noch immer um ganz gleichgültige Dinge drehte.
Es währte indes nicht lange, als man auf dem Flur das Geräusch von Waffen vernahm, und als die Thür sich öffnete, sah man vor derselben vier Soldaten, die Gewehre bei Fuß, während ein Unteroffizier eintrat, begleitet von Jakob, und dem Offizier die Meldung machte, daß er zur Stelle sei. Dieser war mit einem Male bleich geworden, aber er erhob sich und sprach, zu den beiden Lützowern gewendet:
»Meine Herren, darf ich um Ihre Pässe ersuchen?«
Wie ein Blitzstrahl fuhr das Wort in die am Tische Sitzenden. Der Wirt und Erich waren aufgesprungen und machten eine Bewegung, als wollten sie schützend sich vor die beiden Gäste stellen, diese aber hatten rasch ihre Fassung wieder und überreichten die gewünschten Papiere. Der Lieutenant durchflog dieselben.