Mit Blicken unaussprechlicher Verachtung sahen die beiden den Offizier an, der jetzt seine Augen niederschlug, indes sein Bruder in zorniger Aufwallung an ihn herantrat und ihm zuraunte: »Das ist ein Schurkenstreich!«

Wie von einem Peitschenhiebe getroffen fuhr der Lieutenant auf, aber er sah in das von einem heiligen Zorne lodernde Gesicht Erichs, sowie in das tiefblasse seines Vaters, der erregt sprach:

»Und das in deinem Elternhause? – Fühlst du denn nicht, daß von dieser Stunde an eine Schmach auf diesem Dache, in diesen Räumen ruht, die uns alle erdrücken muß? Entarteter – verhafte doch auch mich und deinen Bruder, wenn du schon überhaupt den traurigen Mut hast, auf die Denunziation eines Schurken hin brave Männer ins Elend zu bringen!«

Der Offizier war totenblaß geworden, dann preßte er hervor: »Ich thue nur meine Pflicht!«

»Pflicht!« sagte der Wirt und seine Stimme klang heiser vor Erregung. »Weißt du, was deine Pflicht wäre? – O daß du es wüßtest, aber die Stunde wird kommen, wo du in Scham erröten und vergehen wirst, weil du nicht gethan hast, was deine Pflicht war. Von diesem Augenblicke habe ich nur noch einen Sohn!«

Der tief erschütterte Mann trat zu den beiden Lützowern:

»Meine Herren, rechnen Sie mir nicht an, was dieser Verlorene thut, der sein Mutterhaus entehrt!«

Sie reichten dem braven Manne die Hand, ebenso Erich, der kein Wort zu sprechen vermochte. Der Unteroffizier stand dabei und in dem Gesichte des alten Kriegers arbeitete es seltsam, aber er hatte zu schweigen, der Blick jedoch, den er dem Verräter zuwarf, der jetzt den Kopf gesenkt hatte, redete seine deutliche Sprache.

»Komm!« sagte Konrad zu dem Freunde – »ich hoffe, man wird uns nicht richten ohne eine Untersuchung.«

»Pah, französische Gerechtigkeit!« lachte Zander bitter – »ich gratuliere zur Beförderung, Herr Lieutenant!«