Da bäumte sich Erich wild auf – er sprang gegen seinen Bruder vor, erfaßte ihn am Halse und begann ihn zu würgen, stumm, wortlos – der Vater aber trat dazwischen und riß die beiden Brüder auseinander.

»Ruhig, Erich, – der ist nicht wert, daß eine deutsche Hand ihn berührt!« sprach er – dann schritten die Lützower hinaus, gefolgt von dem Unteroffizier und Jakob; der Offizier aber wankte wie ein Trunkener hinterdrein.

Der Zug ging durch die Gasse; hochaufgerichtet und stolz schritten die beiden Freunde daher inmitten der Soldaten, der Offizier aber hielt sich seitwärts hinter ihnen, als ob er den Schein vermeiden wollte, daß er zu der Eskorte gehöre. An allen Thüren und Fenstern erschienen Leute, und die Kinder liefen dem Zuge nach. Manches ehrliche Mannesgesicht verfinsterte sich, und manche Faust ward geballt, denn es konnte niemandem unklar sein, um was es sich handle – um verratenes, preisgegebenes deutsches Blut. Als der Zug an einer Schmiede vorüberkam, aus deren dunklem Hintergrunde der rote Feuerschein leuchtete, trat der Meister heraus, der noch ein glühend Eisen in der berußten Hand hielt. Auch er wußte, was es hier gebe, und als der Lieutenant an ihm vorüberkam, spuckte der brave Handwerksmann mit einem lauten Pfui auf das glühende Metall, daß es zischte, und trat in seine Schmiede zurück; der junge Offizier aber biß die Zähne zusammen vor Unmut und Scham.

Die beiden Lützower wurden vor den Obersten des in dem Städtchen garnisonierenden Militärs gebracht. Auch er war ein Westfale. Der Lieutenant rapportierte, und mit finsterem Blicke durchflog der Oberst die Pässe.

»Die Pässe sind in Ordnung,« sprach er, da fiel sein Blick auf den Soldaten, der mit dem Lieutenant gekommen war, und der ihn seltsam lauernd ansah. Er wendete sich zu diesem.

»Was hast du zu melden?«

»Zu Befehl, Herr Oberst – die beiden sind Lützower Reiter. Den einen, Konrad Schmidt, habe ich in der Altmark getroffen, wo er im Schlosse des Generals Sebastiani zwei Chasseurs niedermachte …«

»Das ist eine infame Lüge!« brauste Zander auf.

»Sind Sie Konrad Schmidt?« fragte der Oberst.

»Nein, Ludwig Zander!«