»Wie kommen Sie dazu, die Anschuldigung zurückzuweisen?«
»Weil ich dabei war, Herr Oberst! – Konrad, was wollen wir hier Versteckens spielen und uns wie Verbrecher inquirieren lassen? – Wir sind ehrliche Leute und verbergen unser deutsches Herz nicht und verkaufen es nicht, brauchen auch vor niemandem schamrot zu werden …«
Auch Schmidt wurde von den Worten des Freundes fortgerissen; er unterbrach ihn:
»So ist's, Herr Oberst, und mein Freund und ich, wir haben auf dem Schlosse des Generals Sebastiani als Lützower Reiter zwei Chasseurs gefangen genommen. Das war im ehrlichen Kriege, und den Gefangenen ist kein Übel widerfahren; wir haben auch bei Kitzen mitgefochten, wo man uns verräterisch trotz des Waffenstillstands überfiel, und da ich mich gerettet in das Haus eines braven Mannes, der mich und einen verwundeten Kameraden aufnahm, sah uns dieser Bursche dort, der als Gärtnergehilfe im Hause lebte, und der mir in der Altmark eine wohlverdiente Tracht Prügel verdankt, weil ich ihn bei einem empörenden Baumfrevel festnahm. Das Königreich Westfalen mag stolz auf diesen Lumpen sein, für das deutsche Volk ist er ein Schandfleck.«
Der Oberst hatte den erregten jungen Mann sprechen lassen; er stand da, mit gekreuzten Armen, das Gesicht bleich, und nagte an seinem Schnurrbart; ein Blick unsäglicher Verachtung traf den Soldaten, der anfangs mit wilder Wut nach Konrad geblickt, dann aber plötzlich die Augen niedergeschlagen hatte.
Zander hatte seinem Freunde die Hand gereicht und so standen die beiden Lützower fest und ruhig da. Es herrschte einige Augenblicke eine peinliche Stille in dem Gemache, nur der Säbel in der Hand des Lieutenants, der in dienstlicher Haltung dastand, klirrte leise und zeugte von der Erregung des jungen Offiziers.
Nun sagte der Oberst:
»Und was führt Sie jetzt auf westfälisches Gebiet?«
»Unsere Pässe besagen das: wir reisen in Geschäften!« sagte Zander rasch.
»Hm! Und Sie gehören dem Freikorps Lützows nicht mehr an?«