Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:
Das ist Lützow's wilde, verwegene Jagd.
Sechstes Kapitel.
In Kampf und Drang.
In der Nähe von Havelberg, da wo die Havel in die Elbe läuft, stand das Lützowsche Freikorps in den Julitagen des Jahres 1813. In den Kantonierungen herrschte ein reges Leben und Treiben, und über die Muße des Waffenstillstandes suchte man sich, so gut es irgend gehen mochte, wegzuhelfen. Die nach der Affaire von Kitzen gedrückte Stimmung war allmählich gewichen, und zumal die Lücken wieder ergänzt waren, wuchs auch die Kampfesfreudigkeit und der Thatendrang.
An einem schwülen Nachmittage, just als im Westen ein Wetter aufzuziehen schien, kamen unsere vier Genossen bei den äußersten Kantonierungen an, und Schmidt und Zander schlugen die Herzen höher, als sie von weitem schon die ersten dunklen Uniformen sahen. Es war Infanterie, welche hier lagerte und deren Lagerwache sie anhielt, aber sogleich passieren ließ, als Schmidt berichtete, wer sie seien. So gingen sie mitten durch die im Sonnenschein sich tummelnden Leute. Eine kleine Gruppe derselben erweckte ihre besondere Aufmerksamkeit. Sie kamen näher an diese heran und sahen, wie ein kräftiger älterer Mann, die Pfeife im Munde, die Uniform mit den Oberjägerschnüren aufgeknöpft, damit beschäftigt war, einen Rehbock auszuweiden. Er kniete bei dem Wilde, und andere waren ihm behilflich oder sahen behaglich zu in angenehmer Erwartung des Schmauses, der hier winkte. Ein schöner Jagdhund stand zwischen den Männern, deren heiteres Plaudern man schon weithin hörte.
Über Konrad kam eine seltsam-freudige Erregung. »Flott!« rief er laut, und das schöne Tier wendete den Kopf und spähte nach der Richtung, woher der Ruf kam. Als dieser zum zweiten Male näher klang, machte der Hund einige Schritte vorwärts, dann aber kam er in langen Sätzen heran, lustig bellend, mit dem Schweife schlagend, und sprang hoch an Konrad hinan, der ihn freudig und freundlich liebkoste, aber nun rascher noch der Gruppe zuschritt.
»Holla, Kameraden, fällt da auch etwas für uns ab?« rief er, da er nahe kam, und bei diesem Worte ließ der Oberjäger sein Weidmesser fallen und sprang auf.
»Konrad!« – »Walther!«
Und wie Vater und Sohn hielten die beiden sich umschlungen, dann gab der wackere Förster Zander die Hand und begrüßte auch die beiden andern.
Bald waren die vier Ankömmlinge im Mittelpunkte des Interesses; man drängte sich um sie, sie mußten erzählen und sich manches erzählen lassen, und als erst das Wetter mit Blitz und Donner niederging, und man genötigt war, ein schützendes Dach zu suchen, da rückte man noch näher zusammen, ein frischer Trunk ging im Kreise, und Erich und der brave Kutscher Barthel fühlten sich binnen kurzem hier völlig heimisch. Da klang die allgemeine Begeisterung, in die man allgemach sich hineingeredet hatte, aus in Theodor Körners prächtigem Reiterliede: