Jetzt erkannte Zander die beiden: Es waren Dr. Wendler und seine Tochter. Sie traten ein, und das Gesicht Konrad Schmidts strahlte vor Glück und Freude.
»Meine Braut – Dr. Wendler!« und dann stellte er die andern vor, auch den braven Kutscher, den man nicht aus der Gesellschaft lassen wollte, und dann saßen alle sechs um den runden Tisch, und da niemand sonst in der Stube war, mochten sie frei und nach Herzenslust erzählen. Auf die Frage, wie Dr. Wendler mit seiner Tochter hierhergekommen, berichtete dieser, daß er im Begriffe sei, Elise zu einer Großtante nach Bremen zu bringen, die sehr an dem Mädchen hänge, zur Zeit schwer krank sei und dasselbe vor ihrem Ende dringend zu sehen verlange. Die Familie schulde der alten braven Dame viel, und so seien sie ihr auch diesmal zu Willen gewesen trotz der Beschwerden der Reise und der unruhigen Zeit. In Potsdam bei einem Oheim hätten sie zuvor Rast gemacht, und dadurch seien sie auch zu dem Umwege über Brandenburg veranlaßt worden.
Dr. Wendler wußte auch zu erzählen von dem immer lebhafter werdenden Herzenswunsche des deutschen Volkes, daß der Waffenstillstand, der bis Anfang August geschlossen war, kein Frieden werden möge, und wie zu einem solchen, allem Anscheine nach, auch keine Aussicht vorhanden sei. Mit Freuden nahmen die jungen Männer diese Mitteilung auf, und die Sehnsucht nach den lieben »schwarzen Genossen« wurde zumal bei den beiden Lützowern noch lebhafter.
So wurde der Tag in schöner Gemeinschaft verlebt, und Konrad war vor allen glücklich. In Elisens Seele aber loderte eine Begeisterung, die eines Mannes wert gewesen wäre, und am liebsten wäre sie selbst mitgegangen, um ihr Herzblut der Sache des Vaterlands zu weihen. Schmidt war stolz auf seine Braut.
Am andern Morgen schied man nach herzlichem Abschiede und mit beiderseitigen Segenswünschen. Dann wendete sich der Reisewagen, aus dem noch lange das weiße Tüchlein Elisens grüßend wehte, auf die Straße gegen Magdeburg, während die vier Genossen den Weg nach Rathenow einschlugen. Vor der Stadt draußen in einem Eichenhaine rissen sie kleine Zweige von den Bäumen und schmückten sich damit, und hell in den sonnigen Morgen hinein klang es:
Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein?
Hör's näher und näher brausen.
Es zieht sich herunter in düsteren Reih'n,
Und gellende Hörner schallen darein
Und erfüllen die Seele mit Grausen.