»Philemon und Baucis,« rief einer.
»Das müssen wieder andere sein« – sagte Fischer gutmütig; »na, egal, weil ihr nur wieder da seid, denn los geht's doch wieder. Ich hab' heut so ein Vöglein pfeifen hören. Der Major hat eben jetzt eine Allerhöchste Kabinetsordre erhalten, daß wir an das 3. Armeekorps attachiert werden und unter dem Generallieutenant von Bülow stehen werden. Das ist ein ganzer Mann, Gott schütz' ihn! Und das Faullenzerleben hier bei Havelberg hört auf, wir marschieren gegen Nauen und gehen ins Mecklenburgische. Also, hübsch die Klingen gepflegt. Der Waffenstillstand geht bald zu Ende und dann hurra, mit Gott für König und Vaterland! So, jetzt hat euch der alte Fischer eine Rede gehalten, und jetzt gebt mir was zu trinken!«
Laute Hurrarufe durchbrausten den Raum und die Gläser klangen.
Schon in den nächsten Tagen steckten sie in der lieben schwarzen Uniform; auch Erich fühlte sich in derselben außerordentlich wohl und glücklich. Sie tummelten sich zu Roß unter den treuen Gefährten, die frisch darauflos exerzierten, als ob es jeden Tag wieder angehen müßte. Nur einer war darunter, dem man die Verdrossenheit und das Unbehagen anmerkte – Bastian. Seit jenem Abend wichen ihm die meisten seiner Kameraden aus, wo es möglich war, und er verkehrte nur mit einigen wenigen, die nicht viel anders geartet waren als er, und die der Umstand bei ihm hielt, daß er ihnen stets eine reich gefüllte und offene Hand zeigte und sie am Wirtshaustische freihielt.
In ihrem Kreise machte er auch kein Hehl aus seinem blinden Hasse gegen Schmidt und that Äußerungen, die Schlimmes fürchten ließen. Zander hatte durch Zufall davon gehört und seinem Freunde gesagt:
»Nimm dich in acht vor der Canaille, Konrad, daß sie dir nicht einmal heimtückisch und meuchlerisch kommt. Ich will mit aufpassen, und Gnade ihm Gott, wenn ich ihn bei Unrechtem erwische; ich zertrete ihn wie einen Wurm.«
Schmidt hatte den Aufgeregten beruhigt und war an demselben Nachmittag nach dem Lagerplatze der Infanterie gegangen, um seinen Freund Walther aufzusuchen. Er traf denselben, wie er eben sein Gewehr putzte. Es war im Freien, im Schatten einer Buche, und neben dem Alten beschäftigte sich in gleicher Weise ein junger Jäger, ein hübsches, frisches Blut mit einem weichen, beinahe mädchenhaften Gesicht.
»Kamerad August Renz,« stellte ihn der Alte vor, und Konrad reichte ihm die Hand. Da die beiden Freunde bald in ein wärmeres Gespräch gerieten, entfernte sich der junge Mann mit freundlichem Gruße, und der Förster sagte:
»Das ist ein prächtiger Mensch, Konrad, so ruhig und so brav. Er liebt nicht die Gesellschaft, aber wenn's gilt, steht er seinen Mann. An mich hat er sich besonders angeschlossen, und ich hab' ihn auch herzlich lieb gewonnen. O daß mein Junge so wäre!«
Ein tiefer Seufzer schwellte dem Alten die Brust und Flott kam heran und leckte ihm die Hand. Der Förster lehnte seine Büchse an den Baumstamm und sagte wieder: