1870, d. 2. Januar. Im Hofe bei Glotkin hat die ganze Nacht ein Hund geheult. Meine Köchin Pelageja sagt, dies sei ein sicheres Zeichen, und ich sprach mit ihr bis zwei Uhr nachts darüber, daß ich mir, wenn ich erster Buchhalter geworden bin, einen Waschbärpelz und einen Schlafrock anschaffen werde. Vielleicht werde ich auch heiraten. Natürlich kein Mädchen, denn das steht mir bei meinem Alter nicht an, sondern eine Witwe.
Gestern wurde Kleschtschow aus dem Klub hinausgeworfen, weil er einen unanständigen Witz erzählt und sich über den Patriotismus des Mitglieds der Handelsdeputation Ponjuchow lustig gemacht hat. Der letztere will ihn, wie man sagt, verklagen.
Ich will mit meinem Magenkatarrh zu Doktor Botkin gehen. Man sagt, er behandele seine Patienten mit Erfolg …
1878, d. 4. Juni. In Wetljanka herrscht, wie man schreibt, die Pest. Die Leute sterben wie die Fliegen. Glotkin trinkt aus diesem Grunde Pfefferschnaps. Aber einem solchen Greis wird der Pfefferschnaps kaum helfen. Wenn die Pest herkommt, werde ich sicher erster Buchhalter werden.
1883, d. 4. Juni. Glotkin liegt im Sterben. Ich habe ihn besucht und ihn unter Tränen um Verzeihung gebeten, weil ich seinen Tod mit Ungeduld erwartet hatte. Er vergab es mir mit Tränen in den Augen und riet mir, gegen den Magenkatarrh Eichelkaffee zu trinken.
Kleschtschow ist aber wieder beinahe vors Gericht gekommen: er hat ein entliehenes Klavier bei einem Juden versetzt. Trotzalledem hat er schon den Stanislausorden und den Rang eines Kollegienassessors. Es ist merkwürdig, was in dieser Welt nicht alles möglich ist!
Ingwer 2 Solotnik, Galgant 1½ Solotnik, Königswasser 1 Solotnik, Drachenblut 5 Solotnik; mischen, mit einer Flasche Schnaps ansetzen und jeden Morgen ein Weinglas nüchtern gegen den Magenkatarrh einnehmen.
1883, d. 7. Juni. Gestern wurde Glotkin beerdigt. Der Tod dieses Greises gereichte mir nicht zum Segen! Er erscheint mir jede Nacht in einem weißen Gewand und winkt mit dem Finger. Wehe, wehe mir Verruchtem: erster Buchhalter bin nicht ich, sondern Tschalikow. Die Stelle bekam nicht ich, sondern ein junger Mann, der von der Tante der Geheimrätin protegiert wird. Alle meine Hoffnungen sind dahin!
1886, d. 10. Juni. Tschalikow ist seine Frau durchgebrannt. Der Ärmste ist außer sich. Vielleicht wird er vor Kummer Hand an sich legen. Wenn er es tut, bin ich erster Buchhalter. Man spricht schon darüber. Also ist die Hoffnung noch nicht verloren, man kann noch leben, vielleicht erlebe ich auch noch den Waschbärpelz.