Kolja ließ den ganzen Juni den armen Verliebten keine Ruhe. Er drohte mit einer Anzeige, beobachtete sie und forderte Geschenke; alles war ihm zu wenig, und zuletzt brachte er die Rede auf eine Taschenuhr. Nun, man mußte ihm die Taschenuhr versprechen.
Einmal beim Mittagessen, als eben Waffeln gereicht wurden, lachte er plötzlich auf, blinzelte mit einem Auge und fragte Lapkin:
»Soll ich es sagen? Was?«
Lapkin errötete furchtbar und begann statt an der Waffel an der Serviette zu kauen.
Anna Ssemjonowna sprang auf und lief ins andere Zimmer.
In dieser Lage blieben die jungen Leute bis Ende August, bis zu dem Tag, als Lapkin Anna Ssemjonowna endlich den Antrag machte. Was war das für ein glücklicher Tag! Nachdem er mit den Eltern der Braut alles besprochen und ihre Einwilligung erhalten hatte, lief Lapkin sofort in den Garten und begann Kolja zu suchen. Als er ihn fand, brach er vor Freude schier in Tränen aus und packte den bösen Jungen am Ohr. Auch Anna Ssemjonowna, die gleichfalls Kolja suchte, kam herbei und packte ihn am anderen Ohr. Man muß das Entzücken gesehen haben, das die Gesichter der Verliebten ausdrückten, als Kolja weinte und flehte:
»Meine Lieben, meine Guten, ich tue es nicht mehr! Au, au, verzeiht mir!«
Die beiden gestanden später, daß sie, solange sie heimlich verliebt gewesen waren, kein einziges Mal solches Glück, solche atembeklemmende Seligkeit empfunden hätten, wie in den Augenblicken, als sie den bösen Jungen an den Ohren rissen.