Nichts zumachen. Ich lege die Feder weg und gehe hinunter. Nadenjka oder Warenjka nimmt mich unter den Arm, und wir schlagen den Weg zu ihrer Landwohnung ein.
Wenn mich die Pflicht trifft, mit einer Dame oder mit einem Mädchen Arm in Arm zu gehen, so fühle ich mich aus irgendeinem Grunde immer wie ein Haken, an den man einen schweren Pelz gehängt hat; Nadenjka oder Warenjka ist aber, unter uns gesagt, leidenschaftlicher Natur (ihr Großvater war Armenier), sie hat die Fähigkeit, sich mit der ganzen Schwere ihres Körpers an meinen Arm zu hängen und schmiegt sich an meine Seite wie ein Blutegel. So gehen wir …
Wie wir am Landhause der Karelins vorbeikommen, sehe ich einen großen Hund, und dieser ruft mir die Hundesteuer in Erinnerung. Ich denke mit Sehnsucht an die angefangene Arbeit und seufze.
»Warum seufzen Sie?« fragt mich Nadenjka oder Warenjka und stößt auch selbst einen Seufzer aus.
Hier muß ich etwas einschalten. Nadenjka oder Warenjka (jetzt besinne ich mich, daß sie Maschenjka heißt) hat sich aus irgendeinem Grunde eingebildet, daß ich in sie verliebt sei, und hält es daher für eine Pflicht der Menschenliebe, mich immer mitleidsvoll anzublicken und meine Herzenswunde durch Worte zu heilen.
»Hören Sie einmal,« sagt sie stehenbleibend, »ich weiß, warum Sie seufzen. Sie sind verliebt, ja! Aber ich bitte Sie bei unserer Freundschaft, versichert zu sein, daß das Mädchen, das Sie lieben, Sie tief achtet! Sie kann Ihnen Ihre Liebe nicht mit dem gleichen Gefühl beantworten, aber ist es denn ihre Schuld, daß ihr Herz schon längst einem anderen gehört?«
Maschenjkas Nase wird rot und schwillt an, ihre Augen füllen sich mit Tränen; sie scheint auf meine Antwort zu warten, aber zum Glück sind wir schon am Ziel … Auf der Veranda sitzt Maschenjkas Mama, eine gute Frau, doch voller Vorurteile; als sie das erregte Gesicht ihrer Tochter sieht, heftet sie einen langen Blick auf mich und seufzt, als wollte sie sagen: »Ach, diese Jugend versteht sich nicht mal zu verstellen!« Außer ihr sitzen auf der Veranda mehrere junge bunte Mädchen und unter ihnen mein Sommernachbar, der verabschiedete Offizier, der im letzten Kriege an der linken Schläfe und an der rechten Hüfte verwundet worden ist. Dieser Unglückliche will gleich mir den Sommer einer literarischen Arbeit weihen. Er schreibt an den »Memoiren eines Militärs«. Gleich mir macht er sich jeden Morgen an seine jede Achtung verdienende Arbeit, aber kaum hat er die Worte geschrieben: »Ich bin geboren im Jahre …«, als unter seinem Balkon irgendeine Warenjka oder Maschenjka erscheint und den armen Kerl mit Beschlag belegt.
Alle, die auf der Veranda sitzen, sind mit dem Putzen irgendwelcher dummer, zum Einkochen bestimmter Beeren beschäftigt. Ich grüße und will mich entfernen, aber die bunten jungen Mädchen nehmen mir quietschend meinen Hut und Stock weg und verlangen, daß ich bleibe. Ich setze mich. Man gibt mir einen Teller mit Beeren und eine Haarnadel. Ich beginne zu putzen.