Die bunten jungen Mädchen sprechen über die Männer. Der eine sei nett, der andere hübsch, aber unsympathisch, der dritte häßlich, der vierte wäre nicht übel, wenn seine Nase nicht einem Fingerhut gliche usw.
»Und Sie, Monsieur Nicolas,« wendet sich an mich Maschenjkas Mama, »sind nicht hübsch, aber sympathisch … In Ihrem Gesicht ist etwas … Übrigens,« seufzt sie, »ist die Hauptsache am Manne nicht die Schönheit, sondern der Geist.«
Die jungen Mädchen seufzen und schlagen die Augen nieder. Auch sie sind damit einverstanden, daß die Hauptsache am Manne nicht die Schönheit, sondern der Geist sei. Ich schiele nach dem Spiegel, um mich zu überzeugen, inwiefern ich sympathisch bin. Ich sehe einen zerzausten Kopf, einen zerzausten Bart und Schnurrbart, Augenbrauen, Haare an den Wangen, Haare unter den Augen, ein ganzer Wald, aus dem wie ein Turm meine solide Nase ragt. Hübsch, das muß man sagen!
»Dafür schlagen Sie die anderen mit dem Seelischen, Nicolas,« seufzt Maschenjkas Mama, als bekräftige sie einen heimlichen Gedanken.
Maschenjka leidet mit mir mit, zugleich scheint ihr aber das Bewußtsein, daß ihr gegenüber ein in sie verliebter Mensch sitzt, einen großen Genuß zu verschaffen.
Als die Männer erledigt sind, beginnen die jungen Mädchen über die Liebe zu sprechen. Nachdem dieses Gespräch eine Weile gedauert hat, steht eines der jungen Mädchen auf und geht. Die Zurückgebliebenen beginnen sie sofort durchzuhecheln. Alle finden, sie sei dumm, unerträglich und abstoßend häßlich und eines ihrer Schulterblätter sitze nicht an der richtigen Stelle.
Da kommt aber, Gott sei Dank, das von meiner Mama geschickte Dienstmädchen und ruft mich zum Essen. Nun darf ich die unangenehme Gesellschaft verlassen und heimgehen, um meine Dissertation weiter zu schreiben. Ich stehe auf und mache eine Verbeugung. Maschenjkas Mama, Maschenjka selbst und alle die bunten jungen Mädchen umringen mich und erklären, daß ich kein Recht habe, heimzugehen, da ich ihnen gestern mein Ehrenwort gegeben hätte, mit ihnen zu Mittag zu essen und nach dem Essen in den Wald auf die Pilzsuche zu gehen. Ich verbeuge mich und setze mich wieder … In meiner Seele kocht der Haß, und ich fühle, daß ich bald für mich nicht mehr einstehen können werde, daß es gleich zu einer Explosion kommen müsse, aber meine Höflichkeit und die Angst, den guten Ton zu verletzen, zwingen mich, mich den Damen zu fügen. Und ich füge mich.
Wir setzen uns an den Tisch. Der verwundete Offizier, der infolge der Verwundung an der Schläfe eine Kontraktion der Kiefern hat, ißt mit einer Miene, als wäre er aufgezäumt und hätte eine Kandare im Munde. Ich knete Kügelchen aus Brot, denke an die Hundesteuer und bemühe mich, da ich meinen jähzornigen Charakter kenne, zu schweigen. Maschenjka blickt mich voller Mitleid an. Es gibt eine kalte Sauerampfersuppe, Zunge mit jungen Erbsen, Brathuhn und Kompott. Ich habe keinen Appetit, esse aber aus Höflichkeit. Wie ich nach dem Essen allein auf der Veranda stehe und rauche, kommt auf mich Maschenjkas Mama zu, drückt mir die Hände und spricht um Atem ringend:
»Verzweifeln Sie aber nicht, Nicolas … Sie hat ein so empfindsames Herz … ein solches Herz!«