Schelestow ist Vorsitzender. Vor allen Dingen reinigt er den Augiasstall. Snobisch muß hinaus! Tercharjanz muß hinaus! Die verehrten Kollegen mosaischer Konfession müssen hinaus! Mit seiner Partei wird er es erreichen, daß bis zum Januar im Verein kein einziger Intrigant übrig bleibt. Im Ambulatorium des Vereins wird er zunächst die Wände streichen lassen und ein Plakat anbringen: »Rauchen strengstens verboten«; dann wird er den Feldscher und die Feldscherin hinausschmeißen, die Medikamente nicht von Grummer, sondern von Chrasczebicki beziehen, den Ärzten vorschlagen, keine einzige Operation ohne seine Aufsicht auszuführen usw. Vor allen Dingen wird aber auf seinen Visitkarten stehen: »Vorsitzender des Ärztevereins zu N.«

So träumt Schelestow, bei sich zu Hause vor dem Spiegel stehend. Da schlägt aber die Uhr sieben und erinnert ihn daran, daß er in die Sitzung muß. Er erwacht aus seinen süßen Träumen und beeilt sich, seinem Gesicht den matten Ausdruck zu verleihen, aber das Gesicht will ihm nicht gehorchen und nimmt einen sauren und stumpfen Ausdruck an, wie bei einem erfrorenen jungen Hofhund; er will, daß es solid sei, es wird aber lang und drückt Bestürztheit aus, und nun scheint es ihm, daß er nicht mehr einem Hund, sondern einem Gänserich gleiche. Er senkt die Lider, kneift die Augen zusammen, bläht die Backen, runzelt die Stirne, aber es ist zum Verzweifeln: es kommt dabei etwas ganz anderes heraus als er möchte. Die natürlichen Eigenschaften dieses Gesichts sind wohl derart, daß mit ihm nichts anzufangen ist. Die Stirne ist niedrig, die kleinen Äuglein schweifen unruhig umher wie bei einer unreellen Händlerin, der Unterkiefer steht so dumm und blöd hervor, und die Wangen und die Frisur sehen so aus, als hätte man den »verehrten Kollegen« soeben aus einem Billardlokal hinausgeschmissen.

Schelestow betrachtet sein Gesicht, ärgert sich, und es kommt ihm schon vor, daß auch das Gesicht gegen ihn intrigiere. Er geht ins Vorzimmer und macht sich fertig, und es scheint ihm, als intrigierten auch der Pelz, die Gummischuhe und die Mütze gegen ihn.

»Kutscher, ins Ambulatorium!« schreit er.

Er bietet zwanzig Kopeken, aber der Intrigant von einem Droschkenkutscher verlangt fünfundzwanzig … Er setzt sich in die Droschke und fährt, aber der kalte Wind weht ihm ins Gesicht, der nasse Schnee blendet ihm die Augen, und das elende Pferd schleppt sich unerträglich langsam. Alles hat sich verschworen und intrigiert … Intrigen, Intrigen und Intrigen!


ZWEIHUNDERT EXEMPLARE DIESER AUSGABE
SIND VOM KÜNSTLER HANDSCHRIFTLICH
SIGNIERT, NUMERIERT UND
IN HALBLEDER GEBUNDEN.