»Nikolai Stepanowitsch!« höre ich eine Stimme flüstern; »Nikolai Stepanowitsch!«
Ich öffne das Fenster und glaube zu träumen: unter dem Fenster, sich gegen die Wand drückend, steht eine Frau in schwarzem Kleide, hell vom Monde beleuchtet, und blickt mich mit großen Augen an. Ihr im Mondlicht blaß, streng und seltsam erscheinendes Gesicht sieht wie von Marmor aus; ihr Kinn zittert.
»Ich bin es,« sagt sie. »Ich … Katja!«
Bei Mondlicht erscheinen alle Frauenaugen groß und schwarz, und die Menschen größer und blasser; dies ist wohl der Grund, weshalb ich sie im ersten Augenblicke nicht erkannt hatte.
»Was willst du?«
»Verzeihen Sie,« sagt sie. »Mir wurde plötzlich, ich weiß nicht warum, so unerträglich schwer ums Herz … Ich konnte es nicht aushalten und fuhr hierher … Ich sah Licht hinter Ihrem Fenster … und da entschloß ich mich, anzuklopfen … Entschuldigen Sie … Ach, wenn Sie wüßten, wie schrecklich mir zumute war! Was tun Sie denn jetzt?«
»Nichts … Ich kann nicht schlafen.«
»Ich hatte eine Art Ahnung. Aber das ist ja dummes Zeug.«
Ihre Brauen ziehen sich in die Höhe, ihre Augen glänzen von Tränen, und auf ihrem ganzen Gesichte strahlt wie ein helles Licht jener Ausdruck von Zutraulichkeit auf, der mir so wohl bekannt ist, den ich aber so lange nicht mehr gesehen habe.
»Nikolai Stepanowitsch!« sagt sie in flehendem Tone und streckt beide Hände nach mir hin. »Teurer Freund, ich bitte Sie … ich flehe Sie an … Wenn Sie meine Freundschaft und Verehrung für Sie nicht verachten, so erfüllen Sie mir eine Bitte!«