Es war ein ganz anderer Ton der Stimme, gerade so, wie Lars sprach — da floh sie lachend.

Er rief noch zweimal ihren Namen, ganz weich und zart, wie ein Mädchen, der grobe Knut. Das machte ihr Spaß. Ein Gedanke kam ihr. „Mit dem Haß ist es nicht so weit her, bei den Männern wenigstens nicht. Ich gefalle ihnen wohl.‟ Die ganze Nacht dachte sie darüber nach und fand keinen Schlaf.

Drei Wochen waren darüber vergangen, seit sie in Norderoog war, daß sie Lars nicht mehr gesehen, überhaupt keinen Mann, außer dem Vater.

„Im Turme, in der ersten finsteren Nacht, wenn du Licht siehst —‟ Wie oft tönten die Worte in ihrem Ohr. Heute war die dritte finstere Nacht.

Sie ging ja nicht — aber doch wollte sie das Licht sehen im Turme, ihn drüben wissen, den Lars. Er fürchtete wohl den Bruder, den bösen Knut, der alle Weiber verachtet, wie ihr der Vater zum Troste damals sagte, als er ihm und ihr die Thüre gewiesen. Das wußte sie besser! Sie seufzte schwer auf in unklarem Verlangen.

„Babe, mein Liebling! Wo ist mein süßer Babe?‟

Babe erwachte, schlug unruhig mit den Flügeln und kreischte auf. Sie ging zu ihm, streichelte ihn, und Babe rieb sein Köpfchen an ihrer Brust. „Larrrs!‟ Ganz deutlich rief er den Namen, von dem ihr Herz voll war. Oft genug hatte sie ihm denselben vorgesprochen, aber so deutlich schnarrte er ihn noch nie.

Sie kraute ihm zum Danke das Köpfchen.

„Larrrs! Larrrs!‟

Da floh ein feiner, zitternder Lichtstrahl durch das Dunkel der Stube, er spielte in dem Perlauge Babes. Sie eilte an das Fenster. Ein rotes Fünkchen schwamm in der schwarzen Nacht. Bald zog es sich zusammen zu einem leuchtenden Punkte, bald vergrößerte es sich. Plötzlich sank es, wie ein fallender Stern, blieb wieder stehen — im Turme!