Nizam stand ganz vorn am Bug, triefend von Feuchte, das Haar sturmzerzaust, ihr Auge durch die Finsternis bohrend. Sie bat den Kapitän auf den Knien, den Anker zu lösen, die Verirrten zu suchen. Sie drohte, stieß gräßliche Verwünschungen aus, beschwor die Matrosen, wiegelte sie gegen den widerspenstigen Kapitän auf, der ihre Kameraden schmählich zu Grunde gehen lasse — alles umsonst! In stockfinsterer, stürmischer Nacht, umgeben von Klippen und Felsen-Eilanden, kann man nicht die Anker lichten, das hieße alle verderben. Der Henning wird irgendwo Schutz gefunden haben vor dem Unwetter, und morgen kehren sie zurück, das ist doch nichts Neues auf solcher Fahrt.

Der Morgen brach an, was man hier Morgen hieß. Der „Halland‟ steuerte die felsige Küste entlang; man erblickte kaum die schwarzen Umrisse des Gesteins.

„Näher! Warum nicht näher?‟ fragte Nizam.

„Glauben Sie vielleicht, ich will mein Schiff in der Brandung opfern?‟ erwiderte der Kapitän.

„Sie müssen alles opfern, sie zu retten.‟

„Rette ich sie denn, wenn der ‚Halland‛ sich die Rippen einrennt an den Felsen? Nur Vernunft, Frau Götrek, und wenn das Schlimmste geschieht, ich verlasse Sie nicht.‟

Nizam sah ihm bei den letzten Worten scharf in das Gesicht. Er wandte sich rasch ab und zog die Hand zurück, welche sich um ihre Taille legen wollte.

Die Schüsse des „Halland‟ schreckten nur ein Heer von weißen Vögeln auf, welche kreischend wie ein Schneewirbel die Felsen umkreisten. Der Sturm nahm an Heftigkeit zu, es war wirklich unmöglich, ein Boot auszusetzen, und die Nähe der Küste war eine ständige Gefahr.

Nizam war ermattet vom Rufen. Die Seevögel verhöhnten sie nur. Da war es ihr, als würden die Umrisse der Felsen immer unklarer, entweder der Nebel wurde dichter, oder das Schiff entfernte sich davon. Sie eilte zum Kapitän am Steuer, beschwor ihn auf den Knien.

„Meine Pflicht ist, das Schiff zu halten, — bei ruhigem Wetter kehren wir zurück; außerdem bin ich nicht schuld, daß Ihr Vater mitsegelte, — ich habe ihn nicht dazu bestimmt.‟