„Und Lars, mein Lars, meinen Gatten, haben Sie den auch nicht bestimmt?‟

„Lars steht im Schiffsdienst wie jeder andere, — Seemannslos. Wir sind selber noch nicht heil zu Hause.‟

Nizam eilte von Matrose zu Matrose, schilderte die Qualen der Verlassenen, den furchtbaren Vorwurf der Überlebenden, forderte zum Widerstand gegen den Kapitän auf. Sie fand kein Gehör, im Gegenteil, man lachte, tröstete sie mit cynischen Worten. Die begehrlichen Blicke, die sie schon seit Monaten umlauerten, wagten sich immer frecher hervor. Das gab ihr den Rest, der Wahnsinn packte sie, man mußte sie vor sich selber schützen, sie hätte sich in das Meer gestürzt, — handfeste Arme ergriffen sie, trugen sie die Treppe hinunter, die Kojenthüre fiel in das Schloß, der Riegel wurde vorgeschoben, — vergebens tobte sie mit den Fäusten dagegen, bis ihr die Besinnung schwand.

Die „Halland‟ eilte mit Volldampf dem offenen Meere zu.

Der Barometer stand schlecht. Mit dem ruhigen Wetter und der Rückkehr, von der der Kapitän sprach, war es eine höchst fragliche Sache.


V

Als die alte Götrek einige Monate nach dem spurlosen Verschwinden ihres Sohnes mitten in der Sommerszeit sich zum Sterben legte, setzte sie ein Testament auf.

Es war das sonst nicht Sitte hier zu Lande, wenn Kinder im Hause, die sich auch ohne Geschreibsel friedlich in die kärgliche Hinterlassenschaft teilten, aber das war ein ganz besonderer Fall.

Dem Lars, dem Liebling, war nichts zu hinterlassen an irdischem Gut, er war den bösen Mächten verfallen, tot oder lebendig, da gab es nur eines, was noch nützen konnte, und das sollte sein Anteil sein, ein Sühnopfer, Gott wohlgefällig und den Menschen nützlich, auf daß sie den armen Sünder im Gebete nicht vergessen.