Schon lange ging die Rede davon, einen Leuchtturm zu errichten auf P....., dessen Sandbänke eine stete Gefahr für die Schifffahrt waren. Es knüpfte sich auch nach altem Seerecht allerhand Vorteil daran für die Gemeinde, Minderung der Steuer, Hafenrecht und dergleichen, es fehlte nur immer an Geld und Einigkeit.

Daran dachte die Sterbende; der alte Turm führte sie darauf, in dem der Teufel ihr armes Kind verführt, wie Knut ihr oft erzählt. Er war oft genannt worden in der Leuchtturmfrage, ja, er soll schon einmal solchen Dienst verrichtet haben, ging die Sage, aber zum Verderben nur, anstatt zum Segen, indem sein trügerischer Schein die Schiffe auf den Grund lockte, die dann den Räubern reiche Beute boten, — so war er doppelt geeignet zur Sühnstatt; und jeder Schiffer sollte des Lars gedenken und aller anderen armen Seelen, die der Böse hier geblendet.

„Was an barem Gelde in der blauen Truhe sich findet, das bestimme ich für den Bau eines Leuchtturms, und zwar soll der alte Turm von P..... dazu verwendet werden, wie im Gemeinderat schon oft beschlossen.‟

So stand es im Testament, das Knut in Gegenwart des Pastors öffnete.

Nun waren zweihundert alte Holsteiner Thaler, wie sie sich in der blauen Truhe vorfanden, keine Summe für solchen Bau, aber die Anregung war von neuem gegeben, auch wollte man des Geldes nicht verlustig gehen, das nur zu diesem Zwecke der Gemeinde bereit lag, weitere mildthätige Stiftungen schlossen sich daran; nach Jahresfrist begann der Umbau des alten Turms, nachdem die obrigkeitliche Bewilligung eingeholt war, ein weiteres Jahr darauf ergoß sich ein greller gelber Lichtkegel von ihm aus, weit hinaus in die Nacht des Weltmeeres.

Als sein Wächter aber war Knut Götrek bestellt, der Sohn der wohlthätigen Erblasserin, der sich selbst zu dem beschwerlichen Dienst gemeldet. Von da an war er gar nicht mehr zu sehen, die Bewirtschaftung der kleinen Werft, die er ererbt, hatte er den Nachbarn überlassen; das Haus lag einsam, verlassen mit geschlossenen Luken, wie ein verlassenes Wrack.

Der Turm hatte nicht gewonnen durch die Neuerung, die mit ihm geschehen. Man fand seinen alten verwitterten Leib noch so trefflich gefügt und widerstandsfähig, daß man nicht daran dachte, ihn durch einen neuen zu ersetzen; so wurde ihm einfach ein neues, wetterfestes, blankes Haupt aufgesetzt, das sich gar seltsam heraushob aus dem zerschlissenen Gewand würdigen Alters, das ihn umflatterte. Tags erschien er drollig, einfach zum Lachen, wie ein alter zerlumpter Bettler, der irgendwo einen neuen Hut aufgetrieben und damit sich brüstet. Nachts aber, wenn sein schwarzer, massiger Schaft sich aus dem Dunkel hob, die Lichtblitze aus dem behelmten Haupt ihr Spiel trieben in dem brüchigen Gestein, in den schwarzen ginsterüberwachsenen Höhlen und Fensterbogen, in den von ewiger Feuchte triefenden Quadern des Grundbaues, da erwachte er zu seltsamem Leben, da war er groß, eine stolze Leuchte des Meeres.

Dicht unter der Laterne war die Wachtstube Knuts; der gotische Fensterbogen mit den zerborstenen Drachenköpfen war frisch ausgeglast und bot weite Rundsicht dem Meere zu. Der Raum war groß und nahm fast den ganzen Turm ein, ein eiserner Herd, ein lederbezogenes Lager, ein eichener Tisch, die blaue Truhe der Mutter waren die einzigen Geräte. Eine Holztreppe führte hinauf in den Laternenraum. Schweres Gebälk verkleidete die Mauern; wo diese sichtbar waren, zeigten sich da und dort geschwärzte Stellen, die stammten von dem Brande des Liebesnestes. Es war derselbe Raum.

Auf dem Holzgesimse lagen halbverbrannte Muscheln, Korallenzweige, buntes Meergestein. Auf einer Stange, dicht am großen Lugaus, saß Babe, der Kakadu.

Er stritt tagein tagaus mit den weißen Seevögeln, die sich in kühnen Bogen am Fenster vorbeischwangen, den seltsamen Vetter neugierig betrachteten und ob seiner Gefangenschaft verhöhnten. Des Nachts aber, wenn der Lichtschein herabfloß von der Höhe und weit hinaus über die Wogenkämme, da saß er ganz still an der Seite seines Herrn.