Knut scheuerte unermüdlich an den Hohlspiegeln der mächtigen Laterne, welche, auf einen eisernen Rahmen gestellt, sich fortwährend gleichmäßig drehten, um das für den Turm vorgeschriebene intermittierende Licht zu erzeugen. Der ganze Turm schwankte, und das Uhrwerk, welches die Drehung des Rahmens besorgte, knarrte und ächzte in allen Fugen.
Er war das blendende Licht schon gewöhnt und die Glühhitze in dem engen Raum, nur wenn er dann die Wendeltreppe hinabstieg in den Wachtraum, überkam ihn oft ein Schwindel, und die sonderbarsten Sinnestäuschungen äfften ihn augenblicks.
Jetzt glaubte er Schritte zu vernehmen — von unten herauf — auf der Treppe — deutlich — ganz leise Tritte, — als ob man so etwas hören könnte in dem Unwetter, in dem Gestöhn und Geknarr ringsum. Er horchte gegen die Fallthür hinab. Wer sollte denn kommen in dem Wetter?
Da kreischte Babe auf — Knut kannte seine Sprache —, doch das waren ihm fremde Laute, nicht Zorn, nicht Freude, nicht Sehnsucht, — dann wieder die Stille —
Er riß die Fallthür auf, die Lichtfülle von oben stürzte herab in den Raum, er mußte sich an das Geländer halten — das war ein neues Phantom, das sich ihm zeigte, ein riesiger Schatten, der sich an der Decke brach, ein menschlicher Schatten.
„Wer da?‟ rief er rauh, von einer fremden Angst gepackt.
Ein unterdrücktes Weinen drang herauf, — der Schatten bewegte sich vor. Plötzlich flog Babe kreischend vorüber. „Larrrs! Larrrs!‟ Dann folgte das eigentümliche Kollern, der Ausdruck der höchsten Freude.
„Wer da?‟
Knut stieg hastig herab. Er hatte nicht mehr Zeit, die Fallthüre zu schließen, den Arm zu dem Zwecke erhoben, blieb er wie gebannt stehen.
Vor dem Eingange zum Wachtraum stand ein Weib, Schneeflocken hingen in dem schwarzen Haar, auf dem wollig bunten Shawl, in dem sie einen Gegenstand gehüllt trug; auf der Schulter des Weibes aber saß Babe, der Kakadu, mit den Flügeln schlagend, sein „Larrrs!‟ kreischend.