Nizam fühlte sich so matt wie noch nie die Füße versagten ihr den Dienst. Und Knut kam nicht mehr, volle zwei Wochen. Wenn sie nur den Termin nicht zu weit gesteckt, wenn er nur nicht zu spät kam. Das heißt, das war ja eigentlich ihr Gedanke damals, jetzt aber, wo es galt, kam es über sie wie Sehnsucht nach ihm, vielleicht nicht nach ihm, nur nach einem Menschen, der sie liebte, nach dem Ebenbild des Geliebten vielleicht, was wußte sie, sie empfand nur die furchtbare Stille um sie her, und die Angst schnürte ihr die Kehle zu.
Wenn er jetzt gekommen wäre, zu Füßen wäre sie ihm gefallen, abgebeten hätte sie ihm alles, aber zu ihm durfte sie nicht, um keinen Preis, auch wenn sie es vermocht hätte.
Der 14. April war angebrochen. Wenn er gar nicht mehr käme, wenn er jede Hoffnung aufgegeben hätte, wenn er sich ein Leid angethan?
Qualvolle Angst erfaßte sie. Sie konnte sich heute nicht vom Lager erheben, so schwach fühlte sie sich, ja oft mußte ihr das Bewußtsein geschwunden sein, so verworren, so zusammenhanglos fand sie sich oft.
Kam er heute nicht, mußte sie den kleinen Knut um Hilfe senden in die Nachbarschaft irgendwohin. Wenn man sie auch haßte und fürchtete, sterben wird man sie doch nicht lassen, sie und das Kind.
Auf dem Bettrande saß Babe, mit bedenklich gedrehtem Kopfe seine Herrin betrachtend. Ihr Blick war ständig auf die Thür gerichtet. Er mußte ja kommen! Jetzt war es eine qualvolle Sehnsucht, die sie nach Knut ergriff.
Das waren Tritte — trotz dem Heulen des Sturmes, dem Knarren und Ächzen, hörte sie es deutlich — schwere Tritte — seine Tritte. Eine neue Lebenswelle stieg in ihr auf. Jetzt war sie sein, wenn er kam. Und sie wird wieder gesund werden — vergessen — leben — leben!
Die Hausthür ging. Warum eilte er nicht mehr?
„Knut! Knut!‟ rief sie, bis der böse Husten ihre Stimme erstickte.
Da öffnete sich die Thür. Knut, in einem blauen Mantel gehüllt, auf dem dichter Schnee lag, die Mütze tief hereingedrückt. Er erschrak bei ihrem Anblick, wankte gegen die Wand.