Es war eine furchtbare Frage, eine Frage, die Knut in seinem Innersten erbeben machte und zugleich etwas wie Haß weckte gegen den unbesiegbaren, immer wieder drohend sich vor ihm erhebenden Toten.

„Ja denn, er ist tot!‟ schrie er auf, „muß längst tot sein. Warum soll er denn nicht tot sein, wenn er drei Jahre nicht kommt, nichts hören läßt von sich — ich wollte ja selbst — war ja doch mein Liebling, der Lars aber er ist tot — und so antworte, Nizam, ich — ich begehre dich zum Weibe.‟ Knut war erschöpft, er mußte sich setzen.

Nizam schwieg lange, selbst der kleine Knut empfand unbewußt die heftige Spannung, die den kleinen Raum erfüllte, und blickte mit offenem Munde auf den gebeugten Mann auf dem Stuhl.

„Willst du nicht warten, Knut,‟ begann plötzlich Nizam, während sie hinausblickte in den Frühjahrstag, „nur noch zwei Wochen —‟

„Wieder warten!‟ Knut nickte mit dem Kopfe. „Das heißt, du hoffst noch — dann — ja dann allerdings —,‟ er erhob sich mühsam.

„Nein, — ich hoffe nicht mehr — hab' Mitleid, Knut.‟ Nizam schwankte, Knut nahm sie in seine Arme. Sie ließ es ruhig geschehen, er preßte sie an sich, er küßte sie — dann riß er sich jäh los.

„Ich warte, Nizam.‟

Nizam sah ihm mit einem sonderbar listigen Lächeln nach, dann setzte sie sich wieder an das Fenster und starrte in den Frühling hinaus, als erwarte sie jemand.


Von neuem war der Winter Herr, er stürmte und wetterte seit zwei Wochen mit dem blöden Zorn der Verzweifelten.