Nizam war aufgestanden, es war ein seltener Sonnentag; sie saß am Fenster, badete sich im warmen Licht und blickte so hoffnungsvoll hinaus in die Weite. Sie schien heute eine besondere Freude zu haben über sein Kommen, das stärkte ihn.

Wie nur anfangen? Babe schnarrte heute immer sein „Larrrs‟! Das verwirrte ihn ganz, rief von neuem sein Gewissen wach. Zum Glück kam ihm der kleine Knut entgegengestrampelt. Er herzte und drückte ihn wie noch nie.

„Was soll denn aus meinem lieben Jungen werden? Was denn? Ein Seemann? Ein Soldat? Oder gar ein Studierter? Hast du schon darüber nachgedacht, Nizam?‟ wandte er sich dann plötzlich an die Frau am Fenster, vom Scherze plötzlich abspringend.

Nizam seufzte schwer auf. „Was soll ich darüber denken, — ich! Aber es hat ja noch Zeit, — wenn — wenn —‟ ihre Stimme stockte, „wenn Lars einmal kommt —,‟ dann brach sie in helles Schluchzen aus.

„Nizam!‟ Knut rief es verdrossen, „das ist nicht recht von dir, das ist ein Frevel! Jawohl, ein Frevel! Was Gott will, will er, und er weiß, warum er es will, und der Mensch soll nicht trotzen.‟

„Was will dein Gott?‟ Nizams Antlitz bekam plötzlich einen strengen Zug.

Knut verwirrte ihr Blick. „Gott will — Gott will nicht, daß man —‟ Knuts Brust hob sich mächtig, dann platzte er heraus: „Gott will, daß dieser Junge unter eine männliche Zucht komme. Gott will, daß du dich nicht zu Tode kümmerst, daß du für ihn lebst. Gerade heraus, Gott will nicht, daß du allein bleibst —‟

„Knut!‟ Nizam sprang von ihrem Sitze auf. „Wer sagt dir, daß ich allein bin, wer sagt dir das, Knut? Hast du Nachricht? Hast du?‟

„Nichts habe ich, mein Verstand sagt es mir, und noch etwas, mein Herz. Ja, Nizam, mein Herz — ich — ich — sieh mich doch an, bin ich denn so weit ab von Lars? Daß ich älter bin, nun ja — das bin ich, aber sonst —‟ Knuts Antlitz rötete sich, ein heftiger Sturm erhob sich in ihm; „er hat dich ja mir weggestohlen, der Lars, ja, das hat, — so wahr ich leb', das hat er! Ich hätte dich ja selbst zum Weib genommen. Tag und Nacht habe ich nichts anderes gedacht, nur der Mut hat mir gefehlt — und dann die Eifersucht — ich sah ja, wie lieb du ihn hattest, darum schwieg ich, — aber jetzt — jetzt — ich verlange ja nicht, daß du mich — wie den Lars, — das — das weiß ich schon, das kommt nur einmal — aber ich bin ja mit wenig zufrieden — mit allem, Nizam — nur mein Weib sollst du werden —‟

„Und Lars — Lars ist tot?‟ Nizam war jetzt dicht vor Knut getreten.