Da kroch es vorsichtig aus einer verborgenen Ecke hervor, ein blondlockiges Kind, ein Knabe, der kleine Knut, der sich vor dem fremden Manne verkrochen.
Lars, die Wahrheit ahnend, nahm ihn in seine Arme und brachte ihn der sterbenden Mutter. „Mein Sohn?‟
Nizam lächelte selig. „Lars!‟ Sie ergriff seine Hand und legte sie auf eine andere, welche sich an den Bettrand klammerte.
Lars blickte auf, Knut kniete neben ihm, ein großer Schmerz schüttelte den mächtigen Körper.
Ganz langsam erkaltete die kleine schmale Hand, die auf den beiden der Brüder lag, und sie wagten sie nicht wegzuziehen. Zuletzt war es, als ob ein Stück Eis auf ihnen läge, schwer wie ein Berg, bis an das Herz ging die grausige Kälte.
Babe, der am Kopfende des Bettes gesessen, stieß plötzlich einen nie gehörten Ton aus, breitete die Schwingen und flatterte über Nizam — Nizam war gestorben.
Knut wollte sich erheben, er hatte kein Recht auf diesen Platz.
Lars hielt ihn fest. Da entlastete er seine arme Seele, sich selbst anklagend, wie er sie geliebt von Anfang an, wie er gekommen, um Nizam zu freien, die ihrem Lars treu geblieben bis zum Tode, wie er alles gethan, sie wankend zu machen, — wie er den Bruder vergessen, der ihm einst teuer war, wie ein Sohn, — die Gewißheit ersehnt seines Todes. — Doch seltsam, alles war umsonst, aller Haß, aller Zorn, der eben noch Lars' Brust erfüllt, war verstummt vor dem bleichen Antlitz dort, mit dem Lächeln erfüllter Sehnsucht in den Zügen, welche ein voller Lichtstrahl verklärte, vom Sühneturm der alten Götrek her.
Lars legte die Arme um den Nacken des Bruders und weinte sich aus. Das war der letzte Zauber der Hexe von Norderoog.
Den andern Tag ums Grauwerden verließ beim heftigsten Nordsturm ein Kutter den kleinen Hafen von P....., der wohl in der Dunkelheit angekommen sein mußte, da ihn niemand beobachtete. Zwei glaubhafte Männer behaupteten steif und fest, Knut Götrek, der Leuchtturmwächter, sei darauf gewesen, und auf der einen Segelstange hätte der weiße Teufelsvogel gesessen der Hexe von Norderoog.