Also hat sie ihn doch endlich geholt, wie den anderen, den Lars! Man machte die Anzeige bei dem Seevogt; der hatte nichts Eiligeres zu thun, als Leute nach dem Turm zu schicken.

Der breite Damm, der zum Turm führte, war geborsten in der Sturmnacht, er war vom Land abgeschnitten. Die noch immer aufgeregten Wasser bedrängten ihn jetzt von allen Seiten.

Man rief nach dem Wächter — keine Antwort erfolgte; als man mittels eines Bootes den Eingang erreichte, erblickte man die Leiche Knuts zwischen dem schaumumquirlten wilden Gestein, welches den Fuß des Turmes umsäumte. Er hatte wohl in der Dunkelheit den Dammriß nicht beobachtet und war in den Fluß gestürzt.

Wo war er aber die Nacht, der ungetreue Wächter? Wo anders, als bei der Hexe oben?!

Das Gerücht machte im Fluge die Runde, und ehe eine Stunde verging, näherte sich ein Trupp Menschen, Männer, Frauen und Kinder, Götreks Werft. Dem Unfug mußte einmal ein Ende gemacht werden.

Man näherte sich vorsichtig. Alles still! Sie schlief wohl noch, die Hexe. Endlich drang man ein. Das Nest war leer, nichts als ein zerknülltes Bett und einige weiße Vogelfedern am Boden.

Jetzt war kein Zweifel mehr, wer auf dem Schiffe heute morgen die Insel verlassen; die zwei Gewährsmänner, welche den weißen Vogel auf der Segelstange sitzen sahen, triumphierten — wo der ist, ist sie auch nicht weit.

Aber der Knut liegt unten vor dem Turm ertrunken und zerschellt, das hat man doch selber gesehen.

„Und ich habe selber gesehen, daß er auf dem Schiffe war, der Knut,‟ meinte einer der Männer, „wenn ich auf zehn Schritte vorbeifuhr mit meinem Boote.‟

Jetzt war der letzte Zweifel gehoben, daß es mit der Hexe von Norderoog seine Richtigkeit hatte.