Es klang wie ein energischer Einwand gegen die Worte des Vaters.
„Das freut mich, Fräulein Nizam! Brauchen auch keine Angst zu haben, es vergißt sich schwer in unserem Einerlei. Da krallt sich alles doppelt fest. Aber dann müssen Sie uns auch recht viel erzählen; ich denke mir das herrlich, wenn es draußen stürmt und schneit, von Palmenwäldern, von Tigern und Schlangen und Zauberern und all den Wundern, von denen man so liest. Ja, das müssen Sie, Fräulein Nizam. Sie hören alle gern zu. Wollen Sie?‟
„Gern — was ich weiß — aber es ist nicht viel, was die Mutter mir erzählt — ich war ja noch ein Kind, als wir Indien verließen —‟
„Sie war ein Kind?‟ Mutter Götrek lachte. „Bist's ja noch.‟
„Für da drüben ist sie's nicht mehr,‟ bemerkte Henning, „da heiraten sie schon mit vierzehn. Das macht die Rasse.‟
„Heiraten, sagst du?‟ griff die Alte rasch die Wendung auf. „Sag mal, Henning, wie ist's denn eigentlich da drüben mit dem Heiraten?‟
Allgemeine Aufmerksamkeit. Alle Rädchen standen still.
Henning schob die blaue Wollmütze auf die Seite und kraute sein Haar.
„Je nun, Mutter, so wie in P... geht's da drüben nicht. Der Pastor hält keine langen Reden, und das Gericht — das Gericht kümmert sich auch nicht viel darum. So eigentlich machen es die Menschen dort unter sich selber ab — auch nicht mit langen Sprüchen und Redensarten und wie die Katze um den Brei herum — ja, das ist schwer zu erklären — das kommt so wie der Blitz in schwüler Gewitternacht, so gewissermaßen wie ein Überfall, raubtierartig, aber ich sage euch doch —‟ Hennings tiefblaue Augen zogen sich seltsam zusammen und die Fäuste drückten sich nervös an die Tischkante. „Nein, ich sag's euch nicht — ihr würdet mich doch nicht verstehen, und der Pastor erst —‟. Er lachte auf.
„Sag's nur, Henning,‟ meinte Mutter Götrek, „du hast schon so viel gesagt, was dem Pastor schwerlich passen würde.‟