Da kam ihr Lars zu Hilfe. Er nahm das Tuch von ihrer Schulter und bot ihr Platz.
Ein dankbarer Blick traf ihn. Nizam saß unbeweglich. Der Feuerschein des Ofens spielte in ihren Ohrringen. Das Gespräch stockte. Die Spinnräder schnurrten, als wollten sie das peinliche Schweigen ausfüllen.
„Ihr habt schlechte Fahrt gehabt, Henning?‟ begann Mutter Götrek. „Lars erzählte uns eben von eurem Unglück.‟
„Woher weiß denn der Lars —‟
„Martens erzählte es mir, der Steuermann vom ‚Cyklop‛‟, erklärte Lars.
„Ah so, der Märtens! Ja — ja — ich hab's fast schon wieder vergessen. Zwei Jahre sind's ja schon wieder — was will man machen — wie gewonnen, so zerronnen — es hat nichts Bestand bei Unsereinem. Da — das Mädchen ist das einzige, was mir geblieben. Fünfzehn Jahre hat's doch gedauert. Der Teufel ist nur, das Dienen schmeckt nicht mehr, wenn man so lange der Herr war. Dann kam das Heimweh! Es ist ja, recht besehen, eine Dummheit, aber was will ich draußen mit dem Mädel!‟
„Und glaubst du, daß es deiner Tochter hier gefällt, in unserem Nebelland? Das ist eine böse Sache, dächte ich.‟
„Böse Sache oder nicht, es geht einmal nicht anders. Hielt es ihre Mutter auch aus auf dem Schiff, im Norden und Süden. Sag mal, Nizam, ist's nicht schön hier bei uns — hinterm Ofen? Wart' nur erst ein paar Wochen, wenn P... seinen schönen weißen Eisgürtel bekommt und der Schnee bis an die Knie reicht, da träumt sich's wunderschön von der heißen indischen Sonne, von Palmen und Mandragoras. Bis der Sommer kommt, hat der steife Wind dir alles Heimweh aus dem Herzen geblasen, und du bist ein Halligkind, wie die anderen auch, samt deiner braunen Haut.‟
„Das soll er aber nicht, der garstige Wind,‟ sagte Lars. „Sie wollen doch Ihr Vaterland nicht vergessen?‟ wandte er sich an Nizam.
„Nein, das will ich nicht.‟